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deß gab ich mich vorerst der mir angewiesenen practischen Beschäftigung, die vorzugsweise in Korb- und Strohflechten bestand, mit ganzem Eifer hin. War es doch immerhin etwas Neues zu lernen, eine neue Uebung meiner Kräfte. Auch gewährte meiner geistigen Lernbegier der Umgang mit Angehörigen der Schulabtheilung, die mir ihr Gelerntes mittheilten, einige Veftiedigung. Jndeß versiegte diese Quelle der Befriedigung nur zu bald, indem es von meinen Mitzöglingen bald nichts mehr zu lernen gab, und als ich auch auf dem practischen Gebiete die schwierigsten Arbeiten mit Leichtigkeit ausführte, fand ich mich zu neuem Stillstände verdammt. Wie oft habe ich da mit Schmerzen mir die Frage vorgelegt : Bis hieher und nicht weiter solltest du können? Wohl ries da mein empörter Geist: Nein, nein, das kann nicht sein! Hier kannst du nicht stehen bleiben, es muß noch ein höheres Ziel für dich zu erreichen sein. Kein Wunder, wenn mir jetzt Zweifel an der Weisheit meiner Pfleger, an der zweckmäßigen Einrichtung der Anstalt, an der Richtigkett der in ihr befolgten Grundsätze kamen. Und diese Zweifel mehrten sich mit jedem Tage. Nicht wenig trug zu ihrer Verschärfung das fortgesetzte rohe tyrannische Gebühren der Aufseher bei. Wie ließ sich das mit dem Geiste unserer helligen Religion vereinigen? Wie konnte es bildend und veredelnd auf die Zöglinge wirken? Ich begann, mich ernstlich mit Gedanken über die Aufgabe einer solchen Anstalt zu beschäftigen und zwischen dem nach und nach sich in mir entwickelnden Ideale und unserer Anstalt Vergleiche anzustellen, die immer ungünstiger für letztere ausfielen. Ich erkannte immer mehr, daß den Leitern und Lehrern der Anstalt vor Allem Eins fehlte, was zu einem gedeihlichen Wirken derselben Noth that: das Verständniß des inneren Wesens der Blinden. Sie betrachteten die Blinden als eine Art Halbmenschen, die auch nur zur Hälfte allgemein menschliche Bestimmung erreichen könnten, und demgemäß auch nur halb erzogen und gebildet werden dürften. Gegen eine solche unwürdige Ansicht empörte sich aber jeder Nerv in mir und ich fühlte mich aufgestachelt, dagegen mich zu erheben, dagegen im Interesse meiner Leidensgenossen zu kämpfen.
Zerfallen wie ich mit unserer Anstalt war, würde ich das Leben darin nicht mehr haben ertragen können, hätte ich es nicht für nothwendig gehalten, sie durch und durch kennen zu lernen, um einst in der Welt die triftigsten Gründe zu liefern, ein System zu verurtheilen, welches sich mit großem Pomp als etwas höchst Segensreiches ankündigte. Ich ertrug daher alle Unbilden der Aufseher und allen Mangel höherer Geistesnahrung noch lange Zeit, ohne mich auch nur über jene Unbilden zu beschweren. Erst als ich glaubte, mich für meinen Zweck genügend über die ganze Anstalt,' über alle ihre Einrichtungen und Persönlichkeiten unterrichtet zu haben, beschloß ich, die bloße Dulderrolle aufzugeben.

