92

Gekreuzigter Heiland! der du in erfindungsreicher Liebe unter der Gestalt des Brotes dich verborgen hast: was kann ich von dir nicht Alles hoffen? Deines Vaters Allmacht hat mich erschaffen und deine Weisheit will mich jetzt ernähren! das zeit­liche Leben habe ich von Gott dem Vater, meinem Schöpfer; das ewige hoffe ich durch Gott den Sohn, meinen Erlöser. Mein Vertrauen zu dir ist so kräf­tig, meine Hoffnung so mächtig, daß ich an meinem Heile nicht verzweifeln kann. Dein Kreuzestod gab mir das Leben wieder, dies Brot macht mich un­sterblich; weniger war zu hoffen, daß du für mich sterben solltest, als daß ich durch dich das ewige Leben erhielte. Der Lohn, welchen du mir verspro­chen hast, ist unendlich; die Speise, welche du mir bereitet hast, ist geheimnißvoll, und da ich hier zeit­lich diese unbegreifliche Speise genießen kann, so kann ich auch dort ewig den unendlichen Lohn hoffen; denn eher wird der Himmel in die Tiefe sinken, als daß du deinem Worte untreu würdest. O Nahrung der Unsterblichkeit! mein ewiges Leben ist eine Wirkung deines Empfanges; dein Leib und Blut ist mir das Unterpfand, daß du jenen, die du zu ihrer Beseligung so oft gespeiset hast, die Selig­keit auch verleihen werdest.