stadt den Klosterabteyen übertragen ward, so fiel Sailer mit den übrigen Professoren in die jährliche Pension von 240 Gulden.
Zufrieden mit diesem schmalen Einkommen führte er drei Zahre lang ein stilles Privatleben. Die Zeit, die ihm somit zu freiem Gebrauch gegeben war, benutzte er auf das Beßte: in eben diese Zeit fällt die Bearbeitung seines Gebetbuches für katholische Christen. Doch zu öffentlicher Thatigkeit berufen, durfte er der Brachjahre nicht viele zählen: wir finden ihn darum an der bischöflichen Universität Dillingen als Professor der Moral- und Pastoral- theologie wieder in Amt und Würde.
Sailers bildsame Natur sträubte sich gegen die herkömmliche scholastische Behandlung der theologischen Wissenschaften. Lebendig und geistreich wie er war bahnte er sich eigene Wege. Nichts aber wirkt so anziehend auf die studirende Zugend, als selbstständiger durch Geist und Gemüth belebter Vortrag. So kam es denn, daß die Studirenden dem gewandten und beredten Lehrer der Moral auf eine Weise anhingen, bei welcher andere Professoren Vernachlässigung ihrer Fächer fürchten zu müssen glaubten. Zwar war Sailer unter den dortigen öffentlichen Lehrern nicht der einzige, welcher, von der Bildung der neuern Zeit vielfach berührt, sich neue Formen für den Vortrag schuf. Mit und neben ihm wirkten im gleichen Geiste Zimmer und Weber, von welchen der erstere bei weitem mehr als Sailer zur modernen Philosophie hinneigte. Wenn daher auch die Opposition der

