34
gehört zu werden wiederholt 'verlangt hat, während seine Ankläger offenbar das Licht scheuten, so muß auch Derjenige, welcher es nicht gerade unbedingt mit Sailer hält, doch aus Gerechtigkeitsgefühl geneigt seyn, hier eine unverdiente Kränkung anzunehmen.
Auf der andern Seite ist nicht zu verkennen, daß eine gewisse Einseitigkeit der Richtung den übrigens vortrefflichen Mann leicht verdächtigen konnte. Das kirchliche Leben besteht in einer mystischen Ehe zwischen Leiblichem und Geistigem, zwischen Göttlichem und Menschlichem, und nichts kann der Religion in ihrer Vollendeten Gestalt mehr widersprechen, als die Ent- körperung der geistigen Dinge, so wie ihr auch umgekehrt die Entgeistung der körperlichen Dinge geradezu widerspricht. Wie Gott, um die Menschen zu erlösen, Fleisch und Blut annahm, so hat auch die Kirche, um die Kinder ihres Hauses für das Himmelreich zu erziehen, nach göttlicher Anordnung mit sichtbaren Formen und Symbolen sich umgeben und in genau vorgeschriebenen, weil göttlich eingesetzten, Handlungen sich verleiblicht. Wer diese Handlungen, Formen und Symbole verachtete, würde demnach gegen die Gemeinschaft des Leibes Christi sich empören. Das hat nun zwar Sailer nie gethan; aber die mystische Tiefe der kirchlichen Leiblichkeit, daß ich so sage, hatte er wenigstens damals noch nicht, als er zu Dillingen lehrte, durchdrungen; und so mag es allerdings gekommen seyn, daß er, vorzugsweise vom inneren Christenthum redend, im Einzelnen mehr verwirrend als allseitig ordnend wirkte. Mancher junge Mann mag sich damit ge-

