89
Neun u ud zwanzigster Artikel.
(Seine Keuschheit.)
Ad yigesimum nonum respondit.
Ich sage, daß es eine Wahrheit, die ich gar nicht bezweifeln gehört habe, was die Reinigkeit und Keuschheit unsers Seligen betrifft. Glaubwürdige Personen haben mich versichert, daß der selige Herr von Sainte Catherine, Canonicus und Pönitentiar von St. Peter in Genf, ein durch Tugend und Frömmigkeit ausgezeichneter Mann, der oft unfern Seligen Beicht gehört, als er dem Tode nahe war, gesagt habe: dieser Selige habe die Engelstugend der Keuschheit und'Heiligkeit besessen; er sagte hierüber seinem geistlichen Bruder, dem Prior von Talloire: „Ich will dies; Zeugniß der Wahrheit nicht mit mir in die andere Welt hinüber nehmen, die ganze Welt soll es wissen, daß der Hochwürdigste Bischof von Genf ein treuer Diener Gottes, ein heiliger und jungfräulicher Mensch gewesen."
Mehrere andere Personen haben mich desgleichen versichert, und der Selige selbst hat es mir ganz einfach gesagt, und es dünkt mir, es gehöre dieß zu den Dingen, die er mir verboten, zur Zeit seines Lebens zu sagen.
Es war dieß keine Tugend ohne Anfechtung, denn, wie Mehrere versichern, wurde er oft und schwer versucht von einigen Personen, und dieß ist wohl bekannt. Seine Bedienten aber, und diejenigen, welche in häufigem Verkehr mit ihm standen, haben mich

