trachtung der eigenen Schwäche wird die verlorne In­telligenz wieder hergestellt. Durch die Kenntniß sei­ner selbst steigt der Mensch zur Contemplation des Himmlischen. Wenn er zur Höhe gelangt ist, so bleibt er da gerne, weil ihn die wunderbare Wonne der überhimmlischen Schauspiele erquickt. Es ist süß und lieblich die Ordnung der seligen Geister zu betrach­ten, die da heiter sind in der Klarheit der Liebe Got­tes. Erforsche die Tiefe deiner selbst und du wirst da Staunenswerthcs finden.

Auf Erden find die Begierden weiter als die Ge­nüsse, im Himmel ist's das Gegentheil. Die S keir der Seligen besteht nicht bloß in der Contempla­tion des Schöpfers, sondern auch seiner körperlichen und nnkörperlichen Geschöpfe. Sie sehen einiges über fich, andres in fich, andres unter fich. Das in fich ist die brennendste Sehnsucht der Liebe, welche ihnen aus der Wonne der gegenseitigen Schauung er­wachst. Was der Strahl der Contemplation beleuch­tet, gehört zur Zulassung yder Wirkung Gottes. Wir unterscheiden mit einer andern Betrachtung Gerechtes und Ungerechtes, und Mjt einer andern Nützliches und Schädliches. Der gute und der böse Wille wer­den nach Gottes Vorsehung zuweilen durch Unglück zu- rückgetrkeben, zuweilen durch Glück gebunden, damit keiner von beiden ins Unendliche wachse.

10. Gegen Verzagen und Verzweiflung verlaß dich auf die Hülfe der göttlichen Huld. Diese Huld hast du, wenn Gott dich besucht; du verzweifelst, wenn Gott dich versucht. DaS Vertrauen auf Got-