dazu kamen, nicht Bäche, sondern Ströme waren; so daß es ein Wunder ist, wie er so Vielem genügen konnte.
Er empfing Jedermann, welchen Standes er auch seyn mochte, mit einem gleich freundlichen und gütigen Gesicht, und hörte alle gelassen so lange an als sie wollten. Man hatte meinen sollen, er habe gar nichts anderes zu thun, so geduldig und aufmerksam war er. Jeder verließ ihn daher auch so befriedigt, daß man zuletzt ganz froh war, wenn man ihm etwas mitzutheilen hatte, bloß um der angenehmen Empfindungen theilhaftig zu werden, die sein Wesen in den Herzen Aller rege machte, welche mit ihm sprachen, und in denen er ein außerordentliches Zutrauen erweckte, besonders wenn die Mittheilung Angelegenheiten der Seele betraf; denn es gehörte zu seinen höchsten Genüssen, von heiliger Andacht sprechen zu können, und Alle, wenn es ihm möglich gewesen wäre, zur Uebung der Frömmigkeit je nach ihrem Stande und Berufe zu leiten.
Das Benehmen und die Sprache des Seligen war höchst majestätisch und ernst; und dennoch ganz demüthig, so sanft und einfach, wie man nie ähnliches gesehen, denn er war ganz ohne Kunst, ohne Schminke und ohne Zwang. Nie hörte man ihn ein ungeziemendes Wort sprechen, oder eins, das auch nur im Geringsten irgend einen Menschen beleidigen konnte oder das etwas leichtfertig gewesen wäre. Er sprach leise, feierlich und gesetzt, in sanftem Tone, voll Weisheit und mit unvergleichlichem Nachdruck, ohne

