und Heuchler; er würde züchtigen mit mächtig geschwungener Geißel die Frevler, welche das Hciligthum entweihen oder verachten; aber er würde zu unterscheiden wissen und keineswcgcs das lebende Christenvolk in Pausch und Bogen als nichtsnutzige Sündcnrottc in einen und denselben Höllentopf werfen. Wenn dagegen Luther und Zwingli und Kalvin im eigentlichen Sinne des Worts „aus ihren Gräbern zurückkehrtcn," nach solchem langen Todesschlafe, und ohne Vorbereitung fiugs in unsere Welt hineingezaubert würden; dann könnte diese eben so wenig zu ihnen passen, wie sie zu ihr; dann müßten sie, um sich auf den rechten Standpunkt zu versetzen, den ungeheueren Sprung machen über die Berge und Klüfte, welche die Zeit von dreihundert Jahren, der unaufhörliche Wechsel der Dinge und die wundervolle Vorsehung des Höchsten geschaffen hat; dann wäre cs ihnen unmöglich, sich gleich hineinzudenken und hineinzufinden in das Wesen der jetzigen Verhältnisse; dann müßte ihnen Vieles an unö anstößig erscheinen, weil sie, an den Gewohnheiten und Sitten ihrer Zeit festklebcnd, befangen sein würden in ihrem Ur- thcile über das Meiste, was sie nun sähen und hörten; dann würden sie Vieles verwerfen, was sich im Lause der Zeiten und Ereignisse schön und herrlich gestaltet hat, weil cs in eine Form gegossen, in eine Farbe gekleidet ist, deren sie nimmer gewohnt waren; dann würden sie vielleicht manche gute und fromme Menschen verkennen und nicht für evangelische Christen halten. Wollte doch Luther seinen redlichen Mitarbeiter am großen Rcformations- werke, den ächt-evangelischgefinnten Zwingli nicht als seinen Bruder in Christo betrachten! Was Wunder also, wenn er uns sammt unserer Union für unevangelisch hielte? — Dessenungeachtet müßte seine ganze Sele sich freuen über unzählige Gegenstände, die damals zu seinen frommen Wünschen gehörten, sobald er eine neue Kirchen-Visitation vornähmc. Denn, würde er noch solche Masse von einfältigen Pfarrherrcn, besonders von ungeschickten Dorfpredi-
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