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gern, von unwissenden Volksschullehrcrn vorfinden? Müßte er nicht die geregelte Weise des Gottesdienstes, die in der Hauptsache übereinstimmende Form der kirchlichen Gebräuche, welche er bei seiner ersten Kirchen-Visitation nicht zu bewirken vermochte, müßte er nicht die Verbreitung feiner Bibelübersetzung, die fortdauernde Benutzung seines Katechismus und der trefflichen Winke, welche er einst für die Unterweisung der Jugend gegeben, mit Beifall belohnen? Würde er nicht die Fortschritte im Studium der alten Sprachen, die ec den Theologen dringend cmpfal, so wie die Leistungen neuerer Kanzelredner und Liederdichter zu würdigen wissen? Und käme er nach seinem theueren Wittenberg und sähe das ihm errichtete herrliche Denkmal und hörete von der Achtung und Liebe, die ihm als evangelischen Reformator dasselbe wcihete, würde er ohne Rührung bleiben, würde er nicht aus vollem Herzen segnen diejenigen, welche von solchem evangelischen Geiste beseelt waren?
Wenn indessen die zurückkehrendcn Reformatoren in einer Befangenheit, die ihnen zu verzeihen sein würde, das Zerbrechen mancher Form für unevangelisch erachteten, ohne sogleich den Guß wahrzunehmcn, der wohlgerathen daraus hervorging; so wäre dabei doch zu beherzigen, daß die Verständigsten, Besten und Frömmsten unter uns ihrerseits unmöglich Alles billigen und evangelisch heißen könnten, was Luther, Zwingli und Kalvin behaupteten, fest glaubten, mit Hartnäckigkeit vertheidigten, mit Strenge anordneten. Weder Luthers Heftigkeit gegen dieSa- cramentirer, noch Kalvins Grausamkeit gegen einen sogenannten Gottesleugner würde gegenwärtig als evangelisch gerühmt werden.
Wie nun endlich, „wenn Christus noch einmal leibhaftig unter uns erschiene, würde er Glauben finden auf Erden?" — (pag. 11.) O gewiß! — vielleicht verhält- nißmäßig mehr, als vor achtzchnhundert Jahren, wo die Ungläubigkeit und Herzenshärtigkeit der Menge seinem lie-

