ben im Hinblick auf Gott, und ruhig auszuharren, bis Alles sich ausklaren werde, was gewiß nicht unterbleiben könne. Sie solle nur allezeit ihre Pflicht erfüllen, wenn auch mit bedrück­tem Gemüth, mit schwerem Herzen, und mit Thräncn in den Augen. Es wäre einmal die Zeit der Thränen da, aber die Zeit der Aerndte werde auch kommen, und ihre Unschuld werde offenbar werden zu ihrer Freude, aber zum Schrecken derer, die sie so boshaft verläumdet hätten.

Dieser Brief gab Marien großen Trost. Sah sie doch dar­aus , daß sie wenigstens im Vaterhause nicht verkannt wurde. Ost las sie ihn durch, bis sie ihn fast auswendig wußte, und wenn ihr Kränkungen und Beleidigungen von der übrigen Dienerschaft zugefügt wurden, so blieb sie ruhig und diente treulich fort, denn sie wußte wohl, daß, die mit Thränen säen müffen, dereinst ärndten werden mit Freuden.

Sechstes Kapitel.

Der Knabe im Walde.

Während Marie in der Stadt redlich ihre Pflicht erfüllte, vernachlässigte auch David seinen Berus nicht, den er aus freiem Entschlüsse übernommen hatte. Jeden Morgen trieb er seine kleine Heerde aus dem Dorfe in den Wald hinaus, suchte die bestell Weideplätze für seine Ziegen und Schaafe, und dann gab er dem treuen, klugen Fangs Befehl, wohl Acht zu haben auf die munteren Thiere, damit sich keines im Walde verlaufe, oder sonst zu Schaden komme. Fangs verstand ihn vortrefflich und David merkte bald, daß er sich mit vollem Vertrauen auf den treuen Hund verlassen könne. Hatte er ihm nun die Heerde übergeben, so suchte er sich ein weiches, schatti-