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„Ach Herr, wie so lange?" und „Hüter, ist die Nacht schier hin?" seufzt manche in Liebe brennende Seele. Aber die Zeit schleicht so langsam, die Siege des Glaubens wechseln mit Niederlagen, an die Stelle des Himmelreiches macht die Welt sich breit; o daß er käme, der Herr, in den Wolken des Himmels mit seinen Heiligen; daß es anbräche, das ersehnte Zeitalter des Friedens und der Herrschaft Jesu Christi! Ziehen sie nicht, diese Hoffnungen, mit neuer Kraft durch unser Zeitalter wie durch alle Zeiten, die von den Geistern des Himmels und denen des Abgrundes bewegt wurden? Aber die Stunde ist noch nicht gekommen; ein Geschlecht nach dem andern sinkt in's Grab, ohne die Erscheinung dieser Herrlichkeit gesehen zu haben.
Was nun thun, meine Freunde? Sollen wir essen und trinken, da ja auch wir doch morgen todt sind? Nimmer; sondern die Gnade Gottes erziehet uns zum Warten auf diese selige Hoffnung. Dem Christen ziemt nicht das unruhige Wesen, als ob irgend Etwas an seinem Laufen und Rennen gelegen wäre und nicht vielmehr Alles an Gottes Erbarmen. Wir sollen ja als ein dem Herrn geweihtes Volk, als Knechte und Mägde des Herrn fleißig sein zu guten Werken und thun, was er täglich uns aufträgt; wir sollen schaffen unsere eigene Seligkeit, da

