38
Flügeln, das sich im Sommer so oft an Wegen und kleinen Pflanzen findet, heißt wegen seiner Farbe das M a- rienkühchen (Sonnenkaferchen, Herrgottsthierchen).
Lehrer. Habt ihr noch nie von dem Nilpferde gehört? ein ungeheuer plumpes Thier, das erwachsen wohl Vierthalbtausend Pfund wiegt, mit fürchterlich weitem Nachen, so daß es auch nicht die geringste Aehn- lichkeit mit dem Pferde hat.
Zögling. Warum hat man es denn Nilpferd genannt?
Lehrer. Weil es bisweilen eine wiehernde Stimme von sich geben soll, wie die Pferde thun. Eben so haben die Seekühe, große, gewaltige Schwimmthiere, mit den Kühen auf dem Lande weiter nichts gemein, als daß sie auch Gras fressen, uamlich Seegras, und truppweise beisammen weiden.
Zögling. Es giebt ja auch ein Thier, das See. kalb heißt!
Lehrer. Ganz recht! Ihr würdet euch aber ungeheuer irren, wenn ihr das Seekalb etwa für das Junge der Seekuh halten wolltet. Das Seekalb, das wegen seiner braunen Farbe den Namen hat, ist mit dem Seehunde, einem Schwimmthiere, daS mit dem Hunde eben so wenig Ähnlichkeit hat, als mit einem Kalbe, ganz einerlei Thier.
Zögling. Woher hat denn der Seehund diesen Namen erhalten?
Lehrer. Weil er bisweilen ein dumpfes Knurren ausstößt, wie die Hunde, wenn man ihnen das Fressen nehmen will; das war den Schiffern und unkundigen Seeleuten genug, das Thier einen Seehund zu nennen. So giebts noch Seelöwen, Seepferde, Seekatzen, ja sogar Seedrachen, und wußte man eine Gestalt, die sich in der See blicken ließ, mit gar nichts zu vergleichen, so nannte man sie ein Meerwunder.
Könnt ihr mir unter den Pflanzen nicht auch Namen nennen, die nur durch eine entfernte Achnlichkeit mit einem andern Naturerzcugniß entstanden sind?
Zögling. Die Kartoffeln werden ja auch von manchen Leuten Erdäpfel oder Grundbirnen genannt; da doch wirkliche Aepfel und Birnen nur auf Baumen wachsen.

