348 Zweites Hauptstück. — Krankheiten des Rindviehes und deren Heilung.
Um viele Beulen an einem Thiere zu vertreiben, gibt man einen Absud von Tabak, indem man '/.Pfund Tabak eine halbe Stunde lang mit 1 Maß Wasser kocht, dann durchseiht und dem Absud V 4 Pfund Pottasche und 4 Loth Hirschhornöhl zusetzt; mit diesem Mittel wird der Rücken des Thieres täglich einigemal gewaschen, worauf die Larven ge- tödtet und durch Eiterung ausgestoßcn werden.
Homöopathisch entfernt man ebenso die Larven, gibt dabei aber innerlich noch etliche Gaben Sulphur, wodurch die Thiere vor weiterem Insektenstich geschützt werden.
36. Klauen- und Maulseuche.
Siehe hierüber nach, was unter den Krankheiten der Schafe Nr 13 gesagt ist.
Anleitung zur Erkennung des Alters beim Rindvieh.
Das Alter des Rindviehes ist nicht mit solcher Sicherheit auf das Jahr zu bestimmen wie beim Pferde und ganz besonders hält dies schwer bei älteren Thieren. Die Zähne bieten wiederum den sichersten Anhaltspunkt. Das Kalb bringt 8 Milchschneidezähne im Unterkiefer mit zur Welt; dieselben fallen bei Thieren von guter, edler Zucht auch langsam und regelmäßig ans. Sobald das Thier ein Jahr alt ist, fallen die beiden mittelsten Milchschneidezähne aus und werden durch neue bleibende ersetzt; mit 18—24 Monaten fallen die beiden nächststehenden aus; mit dem Ende des dritten Jahres verliert es die beiden nächsten Zähne und im vierten Jahre auch die zwei letzten Milchzähne. Im vierten Jahre hat das Thier also acht bleibende Zähne im Unterkiefer; diese Zähne sind gleich lang, glatt und glänzend. Im fünften Jahre geht nun eine Veränderung an diesen Zähnen vor und zwar in derselben Reihenfolge, wie sie hervorgekommen sind. Die Farbe geht vom Weißen in Gelb, Schmutzigbraun und Schwarz über; die oberen Ränder der Zähne brechen ab; die Kronen reiben sich ab. Im 16.—18. Lebensjahre sind meist alle Schneidezähue bis auf die Wurzel abgerieben.
Man berechnet auch das Alter des Rindviehes nach den Ringen an den Hörnern. Von der Spitze des Hornes bis an den ersten Ring rechnet man drei Jahre; für jeden weiteren angesetzten Ring ein Jahr mehr. Hat demnach ein Rind sieben unterscheidbare Ringe an den Hörnern, so ist es neun Jahre alt. Die Rechnung ist aber schwer anzustellcn, wenn das

