gab aber nicht nach, ich mußte noch eine halbe Stunde warten, bis ihr Herr kam. Der aber setzte sich zu mir und hörte mit aller Aufmerksamkeit zu, und ich ich vergaß darüber alle Kälte, Kopfweh, und spielte ungeachtet dem elenden Clavier so wie ich spiele, wenn ich guter Laune bin."

Mir scheint die naive Art des Berichtes unter mehr als einem Gesichtspunkte ein helles Schlaglicht auf beit Charakter Mo zart's zu werfen. Noch nie war ihm wahrscheinlich eine solche Aufnahme zu Theil geworden. Man läßt ihn wie einen Lakaien warten, sagt ihm kein Wort über die Veranlassung seines Besuches, sondern deutet nur mit dem Finger nach einem Meubel im Zimmer, das ein Clavier vorstellt. Man schien ihm damit andeuten zu wollen: Sie verstehen doch Nichts als dieß; gehen Sie dorthin, während wir uns mit anderen Dingen beschäftigen wollen. Er beklagt sich über die Kälte; man verlacht ihn und läßt ihn sich erkälten. Und zu was für einer Zeit nahm sich Frau v. Chabot heraus, einen berühmten Künstler auf solche Art zu behandeln? zu einer Zeit, in welcher der Adel in Frank­reich stolz darattf war, sich Gelehrten und Künstlern beizugesellen, deren Ruhm er thörichter Weise theilen wollte, und die lächerlichen Ansprüche machte, diesen durch ein vierzeiliges Berschen, ein Pa­stellbildchen oder ein Liedchen sich anzueignen. Man denke sich einen französischen Musiker von Ruf an Mozart's Stelle, und stelle sich die in höflicher Form vorgebrachten epigrammatischen Redensarten, die ehrerbietigen Sarkasmen vor, mit denen die Frau Herzogin ihre Unverschämtheit hätte abbüßen ntüssen. Ein anderer deutscher Musiker hätte ihr seine Meinung weniger höflich gesagt, oder hätte ihr, ohne ein Wort ztt verlieren, den Rücken gekehrt. Und Mozart, der unter allen Menschen das geringste Talent zum Hofmanne besaß, Mozart, der eine so hohe Meinung von