224 ^

Während man in Prag einem leeren Sarge Ehren erwies, wie sie nur Verstorbenen vom höchsten Range zu Theil werden, wußte die Familie des Dahingeschiedenen in Wien nicht, womit sie seine Begräbnißkosten bestreiten solle. Der Preis eines eigenen Platzes auf dem Kirchhofe überstieg die Kräfte der Erben, und so wurde Mozart's Leichnam in einer gemeinschaftlichen Grube be­erdigt !

Einige Fremde, welche sich im Jahr 1808 in Wien befanden, wünschten den Ort kennen zu lernen, wo seine Gebeine ruhen. Man konnte ihn nicht angeben. Andere Todte hatten von diesen Gräbern Besitz genommen, die von Zeit zu Zeit geleert werden! Doch was liegt am Ende an der Stelle, an der ein wenig Staub ruht? Wer dächte daran, auf derselben ein Monument zu errich­ten ? Ich für meinen Theil zöge wenigstens eine Blume auf die­ser Stelle vor, die von der Asche befruchtet und jedes Frühjahr neu erblühend, das Sinnbild der musikalischen Geschlechter bildete, die an dem intellectuellen Leben Mozart's sich nähren werden, ohne Gefahr zu laufen, es je zu erschöpfen.

Von zwei Söhnen, welche Mozart hinterließ, wählte der jüngere, Wolfgang Amadeus, geboren im Jahr neunzig oder einundneunzig, die Laufbahn, welche ihm gewissermaßen sein Fami­lien- oder Taufname vorzeichnete. Er wurde Musiker. Verschie­dene Blätter haben seiner als eines talentvollen Pianisten und Compositeurs gedacht. Als sein Vater eines Tages Musik machte, hörte er ihn in dem Tone schreien, aus welchem gespielt wurde. Das wird ein Mozart, sagte der Vater lachend. Es möchte sich aber sehr fragen, ob die im Scherze ausgesprochene Prophe- zeihung in Erfüllung gegangen wäre, selbst wenn dem Kinde der unschätzbare Vortheil des väterlichen Unterrichtes zu Theil gewor­den wäre. Die Natur ruht lange aus, ehe sie ein ähnliches Ge-