273
dem Namen des Herrn GottfriedWeLer erscheinen zu lassen? Ob es aber mit dieser Behauptung seine Richtigkeit hat, vermag ich nicht zu gewährleisten, weil ich nie den dummen Anton, noch das fragliche Requiem gehört habe. In sofern aber Herr Weber sich so wenig geizig mit musikalischen Citationen gezeigt hat, weil er in der Cacilia die Themas von Händel und Mozart vor Augen geführt hat, um zu beweisen, daß beide eines wären, so hätte er wohl auch die Melodieen seines und
die der Arie, welche sein Text in der Vertheidigung bezeichnete, zum Besten geben können, um zu beweisen, daß die Melodieen verschieden wären. Ganz sicher wäre dieß besser und überzeugender gewesen, als den Abt Stadler zu verunglimpfen und zu sagen, man habe sein ganzes Requiem in die Kategorie trivialer Gassenhauer gestellt. Ausdrücke, an welche der Abt nie gedacht hat, so wellig, als es ihm je eingefallen ist, irgend ein Urtheil über diese Schöpfung des Herrn Weber abzugeben.
Wir haben noch eine letzte Bemerkung Stadler's anzuführen, welche er mit aller Erfahrung und persönlichen Autorität eines gelehrten Contrapunctisten ausspricht; nämlich, daß entlehnte Themas ohne allen Vergleich viel schwieriger zu behandelli sind, als Themas von eigener Erfindung. Da Stadler's Schrift für Musiker bestimmt war, so hatte er nicht nöthig, hinzuzufügen, daß die Aneignung der Gedanken Anderer nur bei Werken, die im contrapunctischen und fugirten Styl gehalten sind, bei denen der Werth der Gedanken vorzugsweise von ihrer Entwickellmg und ihrer Zusammensetzung mit anderen Motiven abhängt, erlaubt ist. Derselbe Fall trifft aber bei den Compositionen nicht zu, die zu der melodischen Gattung gehören, bei denen nämlich, bei welchen eine einzige Hauptmelodie vorherrscht, die häufig deren einziges Ulidischeff. Morart. II. 18

