VI
Vorrede.
sich zeigt, entbehrt jenes göttlichen Lichtes, das uns in der Offenbarung leuchtet, und ist ohne diese an sich für die übersinnliche Welt blind; ihr ist so, wie einst den Juden und Griechen, die Lehre von Christo, dem Gekreuzigten, ein Aergerniß und eine Thorheit (1 Cor. 1, 18 u. 23. Cap. 2, 14). Wenn aber der Mensch einsieht, daß Gottes Gedanken höher und unbegreiflicher sein müssen, als die seinigen, und wenn er überzeugt ist, daß seine beschränkte Vernunft so wenig das Geheimniß der Geisterwelt und das Wesen der Gottheit begreifen kann, wie der Blindgeborne die Pracht der Farben, dann wird er das Bedürfniß einer göttlichen Offenbarung fühlen und in einem andern Sinn alsdann auch die heilige Schrift lesen. Je mehr er sich in der Furcht des Herrn und mit brünstigem Gebet in ihr erbaut, um so heller wird es in seinem Geist; und bleibt ihm auch hier auf Erden noch manches geheimnißvoll und unbegreiflich, die Sonne der Gerechtigkeit (Maleach. 4, 2) ist in seinem Herzen aufgegangen und seine Vernunft ist von ihrem himmlischen Lichte erleuchtet; der Blindgeborne ist nun sehend geworden *).
Luther sprickt sich darüber in der Auslegung von I. Tim. 6, 16: „Gott wohnet in einem Lichte, dazu kein Mensch kommen kann," so aus:
„Wir Schwache und Unreine wollen erforschen und verstehen die unbegreifliche Majestät des unbegreiflichen Lichtes der Wunder Gottes. Wissen wir denn nicht, daß er wohnet in einem Lichte, dazu man nick't kommen kann? Und gleichwohl vermessen wir uns, dazu zu gehen. Wir wissen, daß seine Gerichte unbegreiflich und seine Wege unerforschlick sind, und dennoch unterstehen wir uns, dieselben zu erforschen. Und das thun wir. ehe wir mit den Strahlen der Verheißungen und Gebote Gottes berichtet und begossen werden, ehe wir das A- B- C. gelernt

