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Christliche Tugend.
daß die Tugend eine christliche werde. Christliche Tugend ist das feste, unveränderliche Streben, alle Ge bote unseres Gewissens und der Offenbarung aus Liebe zu Jesu zu erfüllen, und gerade darum, wei l m an si e als G ese h e G o ttes a n si e ht. Wohl uns, daß wir sie so ansehen dürfen! Was uns in der heiligen Schrift befohlen ist, das ist der Wille des Vaters, ist Ruf des Aller- höchstcn. Muß es nicht heben, stärken, willig machen, wenn wir dieses wissen und glauben, mnß es nicht anfeuern, wenn wir wissen, daß die Erfüllung der Gebote Gottes der Dienst und die Anbetung sei, wodurch wir ibm unsere Liebe beweisen können?
Den Grad der Stärke der Tugend schätzt mau nach den Hindernissen, die aus Ehrfurcht und Liebe gegen Gott, unfern Heiland, überwunden worden sind. Liebe und Ehrfurcht gegen Gott sind zwei Eigenschaften, welche einer christlichen Tugend nie fehlen dürfen. Die Quelle ans der sie entspringt, ist durchaus keine andere, als Gott, darum läutert auch dieser allein das Innerste des Menschen. Christliche Tugend tadelt an der Seele, die nach ihr strebt, auch das Geheimste, das Geringste, das in ihr vorgeht, sobald es das heilige Auge Gottes nicht vertragen kann. Der wahre Christ trauert weit mehr über Fehler, die er in sich entdeckt, als üher ungerechten Tadel dieser Welt, und würde Gott selbst diese Fehler nicht verbergen mögen, wenn es auch möglich wäre, weil Wahrheit und Reinheit mit zu den wesentlichen Be- ftandtheilen einer christlichen Tugend nothwendig gehören.
Die wahre christliche Tugend erstreckt sich nicht auf einige Tugenden und Gebote unseres Heilands, sondern auf alle.

