29
Harmlose Unschuld tritt mit schlimmen Tücken Auch hier in schroffen Gegensatz.
Der List'ge strebt die Einfalt zu berücken,
Der Schwache räumt dem Mächt'gcn seinen Platz. Und Leidenschaft, Haß, Zorn und Eifersucht, Verfolgung hier, dort schnelle Flucht,
Des Unheils Iammerton — und Frieden Kann nur des Schicksals Mackit gebieten.
Drei junge Häschen siehst Du scherzen Im Abendthau mit possenhafter Lust Und keines Frevels sich bewußt,
Nicht ahnend, daß mit mordbegier'gem Herzen Der böse Reineck' aus sie lauert,
Heimtückisch im Gebüsche hingekauert.
Zu rechter Zeit des Försters Flinte blitzt:
Der Räuber liegt, der fast ihr Blut verspritzt.
Und siehst Du auf dem engen Steige Herab vom abgefreßnen Zweige Nach Karawanenart die trägen Raupen zieh'n? Da, sieh', Ameisen sie jetzt gierig überfallen — Ein Räuberheer, schnell wie der Beduin' — Und in den weichen Leib einschlagen ihre Krallen. Jndeß der Igel still sein Abendbrot verzehrt Und wenig sich an Andrer Treiben kehrt.

