eines solchen Empfangs eine gewisse Niedergeschlagenheit bemächtigte, waren französische Zeitungen unermüdlich, in Europa die Nachricht zu verbreiten, daß Maximilian in seiner Residenz und im ganzen Lande mit endlosem Jubel und Heller Begeisterung empfangen worden sei.

Sieben zehntes Kapitel.

Chapultepec.

Trotz aller Vorbereitungen, welche ihm voraufgegangen, hatte der Einzug des kaiserlichen Paares doch nur den Eindruck eines Thcateraufzuges auf einer verkommenden Bühne zweiten Grades gemacht, und Alles, was diesen Einzngsfeierlichkeiten folgte, war nur angethan, dem Kaiser seinen Aufenthalt in der Residenz zu verleiden.

Gegen seine Dienerschaft mußte er schon in den ersten Tagen entschiedenes Mißtrauen hegen, und aufAnrathen seinesHaushofmeisters traf er die Anordnung, daß, sobald die Tafel aufgehoben wurde, es den mexicanischen Dienern nicht eher erlaubt war, sich der Tafel zu nähern, als bis die deutschen Diener sämmtliches Silberzeug abgeräumt hatten, denn bereits in den ersten Tagen hatte sich herausgestellt, daß ein großer Theil des Silbergeschirres fehlte.

Der Kaiser hatte beabsichtigt, das Schloß Chapultepec restauri- ren zu lassen und es dann zu beziehen, was vielleicht in einigen Monaten möglich gewesen wäre.

Allein da ihm und namentlich der Kaiserin gleich von vorn herein der Aufenthalt in der Residenz verleidet war, faßte er den Beschluß, schon acht Tage nach seiner Ankunft der unerquicklichen Residenz den Rücken zu wenden und sich in die Einsamkeit des Lustschlosses Chapul- tepcc zurückzuziehen.

Dieses Schloß war einst, als Mexico noch unter spanischer Herrschaft stand, zum Aufenthalt für die spanischen Vicekönige erbaut und diente zugleich als Festung.

Es war an und für sich von häßlicher Bauart, durch Vernach­lässigung aber befand es sich gegenwärtig in einem Zustande, der es völlig unbewohnbar erscheinen ließ, und der Entschluß des Kaisers, gleich acht Tage nach seiner Ankunft dahin überzusiedeln, schien un­ausführbar.