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In ihren Zimmern blieb die Kaiserin stets ganz allein, versunken in geschäftliche Lecture, oft auch schriftstellerische Versuche treibend.

Die große Zuverlässigkeit und Offenheit ihres Charakters, die Natürlichkeit ihres Wesens, die edle Richtung ihres Geistes, welcher keinen Argwohn kannte, weil ihm Alles Gemeine fern stand, die Liebe zum Rechten und Guten sicherten ihr die größte Hochachtung aller Jener, welche ihr jemals nahe standen.

Der Kaiser hatte auf seiner Rundreise nur ein kleines Gefolge bei sich, nämlich den General Lopez, seinen Arzt, welchen er aus Miramara mitgebracht, den Doctor Semeleder, und seinen mexicani- schen Secretair Jglcsias.

Die militairische Escorte bildete eine Schwadron französischer Husaren, welche der Hanptmann Lumaine kommandirte.

Der Kaiser trug ans dieser Reise das praktische Costüm des Landes und legte sie größtentheils zu Pferde, oft mit vielen Mühen auf den grundlosesten Wegen zurück, ja es kam zuweilen vor, daß die Straße zwischen zwei bedeutenden Städten so schlecht war, daß auch die Pferde dieselbe nicht zu passiren vermochten.

In diesem Falle mußte man sich der Maulthiere bedienen oder sich von Zeit zu Zeit auf dem Rücken eines Indianers tragen lassen.

Maximilian erstaunte über diese Verkommeuheit des Landes.

Ueberreiche Felder traf er fast in allen Theilen des Landes an, Felder, welche das Zehnfache von dem zu liefern im Stande waren, was das Land verbrauchte; aber war es möglich, diese Erzeugnisse zu versenden? Gab es Verkehrsmittel? Hieraus mußte er zuerst sein Augenmerk lenken und er faßte den Aan, sofort bei seiner Rück­kehr zu sorgen, daß die bedeutendsten Plätze des Landes durch Eisen­bahnen und Chausseen verbunden wurden.

Diese Reise durch das aufgeregte Land zeugte von Furchtlosigkeit und Vertrauen.

Der Kaiser wußte sehr wohl, daß nicht an allen Orten das Kaiserthum gewünscht und begünstigt wurde, dennoch war er fest über­zeugt, sich durch sein Erscheinen auch die Herzen derjenigen zu ge­winnen, die bis dahin noch zur Juaristischen Partei hielten.

Er war zugänglich für Jedermann.

Ueberall, wohin er kam, prüfte und sah und beobachtete er, und erkannte mit seinem scharfen, geübten Blick leicht die Mängel heraus und die Mittel zur Abhilfe.

Sein schlichtes, freundliches und echt humanes Auftreten rief überall Sympathie und Enthusiasmus hervor.

Wie vielen Uebelständen, wie vielen schlechten Sitten begegnete er!

An einem Orte im Staate Tamaulibas stellle sich ihm ein jun­ger Mestize vor.

Was willst Du, mein Sohn?" fragte ihn der Kaiser leutselig.

Drei Jahre auf dem Kaiscrthron. ZZ