Rudolf Ackermann

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Mm die Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte in dem kleinen sächsischen Gebirgstädtchen Stollberg der Bürger und Sattlermeister Ackermann. Er trieb sein Gewerbe mit Geschick und Fleiß, so daß es ihm am täg­lichen Brode nicht mangelte. Zu den Kindern, die ihm Gott geschenkt hatte, wurde ihm am 20. April 1764 ein Knabe geboren, den er Rudolf nannte, und der vom Schick­sal auserlesen war, seinem Namen, seiner Heimat und seinem Vaterlande Ehre zu machen. Die erste Jugendzeit Rudolfs verlief freundlich und harmlos. Der verständige Vater leitete ihn zu allem Guten an; er hielt darauf, daß sein Söhnchen die Ortsschule fleißig besuchte und daß er dort, wie im älterlichen Hause seinen Pflichten stets ein­gedenk war. Rudolf hatte kaum das neunte Lebensjahr erreicht, als er schon Gelegenheit bekommen sollte, in sei­ner kindlichen Auffassungsweise einen Blick in die beküm­merten Herzen seiner amtiert erzgebirgischen Landsleute zu thun und zu erkennen, wie Noth und Mangel die Brust der Darbenden bedrückte. Die fürchterliche Theuerung der Jahre 1772' urtb 1773 hatte begonnen. Sie lag schwer aus dem Erzgebirge, dessen Bewohner durch ihren geringen Erwerb ihre zahlreichen Familien selbst in billigen Zeiten kaum zu ernähren vermochten. Mancher brave Erzgebirger konnte nur durch den äußersten Mangel gezwungen wer­den, als verschämter Arnner sein Leben zu fristen, während Hunderte, dem Elende gänzlich verfallen, von Ort zu Ort wanderten, um sich in wohlhabenderen Gegenden einige Bissen Brotes zu erbitten. Das sah der kleine Rudolf alles mit an. Dem mitleidigen Knaben that das Herz weh, als er den Jammer erblickte, der sich in Stollberg,