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kennen; oder sollen wir uns vor Menschen ver- rherdigen, die zu stolz, zu eigensinnig, zu recht­haberisch, oder zu sehr gegen uns eingenommen sind, als daß ein Wort zu unserm Besten Ein­gang in ihr Herz finden konnte: dann sollen wir schweigen, sotten an Jesus denken, der so vie­les erdichtete Böse über sich sagen ließ, ohne ein Wort darauf zu reden; sollen aufblicken zu dem Unsichtbaren, der alle Herzen erforschet, und die Heimlichkeiten aller Herzen einst an den Tag brin­gen wird.

O Christen 5 Wie manche Unruhe, wie man­chen Unfrieden, wie manchen Gram, wie manche Verdrüßlichkeit, und wie manche Feindschaft, die ' sich oft bis in die Ewigkeit hinüber erstrecket, wür­den wir aus unsrer Mitte entfernen, wenn wir schweigen könnten! Aber unsre Eigen­liebe wird zu schnell beleidigt; unser Eigen­nutz ist unersättlich; unser Stolz nimmt keine Rücksicht auf den Werth der Andern, aufgebläht durch eingebildete Vorzüge will er weder nach­geben, noch verzeihen: * wir reden und beleidi­gen ohne alle Uiberlegung, wir lassen kein Läster­wort unbeantwortet, wir glauben uns etwas zu vergeben, wenn wir den lieblos handelnden Bru­der sanft und geduldig ertragen; von unserm aufgebrachten Herzen lassen wir uns lieber so da»