Bruder abnehmen. — Dem guten Menschen ist es unmöglich, Einen, den das Schicksal tief herabsetzte, noch zur muthwilligen Freude zu mis- brauchen, oder durch was immer für eine Kränkung sein Herz noch mehr zu betrüben; es wäre ihm lieber, wenn er ihn aus seiner Tiefe erheben, und vor allen Mishandlungen niedriger Menschen den Geplagten schützen könnte. —
Wer bittcrn Spott über Andre ausspricht, oder mit unverschämter Frechheit einen Menschen beschimpfet, oder da, wo Leiden sind, die Qual derselben durch sein unsanftes, und gefühlloses Verhalten noch vergrössert; der entehrt sich selbst; denn er legt es deutlich an Tag, daß alle Achtung für Menschheit, alle Ehrfurcht gegen den, der den Menschen nach seinem Bilde schuf, in seinem Herzen erstorben sey. —
Wer unbarmherzig, hart und lieblos Andere behandelt, der gräbt sich selbst die Grube seines Verderbens; denn er wird einst von dem Heiligen und Gerechten, der seine Thaten sah, und sie im Buche der Unsterblichkeit aufzeichnete, unbarmherzig gerichtet werden. —
Der Gedanke an die bittere Leidensnacht, die Jesus bey Kaiphas hatte, mache uns menschlich gegen Menschen. Der Hinblick auf den geschlagenen und verspotteten Jesus lasse uns nie so böse

