Erste Betrachtung.

Von der wahren Erkenntniß der Sünden.

Bekenne deine Krankheit und du wirst genesen.

Heiliger Gott, gerechter Richter, vor meinen Augen, vor meiner Seele schweben meine Sünden. Täglich gedenke ich des Gerichts, denn jede Stunde droht mir der Tod; täglich gedenke ich des Gerichts, denn ich muß in demselben einst von jedem Tage Rechenschaft geben. Ich prüfe mein Leben und finde es ganz eitel und un­heilig. Eitel und unnütz sind viele meiner Handlungen, eitel die Mehrzahl meiner Reden, eitel überdieß die mei­sten meiner Gedanken.

Doch ist mein Leben nicht blos eitel, sondern auch unheilig und böse; ich finde nichts in demselben, was gut sei; denn was in ihm Gutes zu sein scheint, ist in Wahrheit nicht gut und vollkommen, denn das an­steckende Gift der Erbsünde und der verderbten Natur hat es vergiftet.

Hiob sagt:ich fürchte mich aller meiner Werke." Klagt also ein Frommer, was soll der Gottlose thun?

Gerhard'- Betrachtungen. j