Haag, der Haag. Holland, 's Gravenhaage, Hauptstadt der niederlän­dischen Provinz Holland und Residenz des Königs, % Meile von der nur durch Dünen davon getrennten Nordsee, mit 65000 Einw. Die Stadt ist weitläufig und regelmäßig gebaut, von einem Walde, dem Bosch van Haag, und einem großen Kanäle umgeben, von Kanälen und Alleen durchschnitten und hat eine große Menge schöner Gebäude, das Schloß des Königs, der Prinzen und viele andere Paläste und Merkwürdigkeiten; sie ist der Sitz der höchsten Landesbehörden, eines Handels­gerichts, Finanzhofes, vieler Wohlthätigkeitsanstalten rc. Durch Eisenbahnen ist sie mit Leyden, Haarlem, Amsterdam und Rotterdam verbunden. Als Handelsplatz hat Haag gar keine Bedeutung, auch ist es keine Fabrikstadt und es befinden sich hier nur einige Fabriken von Porzellan, Kutschen, Möbeln, Hüten, musikalischen Instru­menten, Posamentirarbeiten rc. Die ganze Stadt gleicht durch ihre Alleen, Gärten, schönen Umgebungen und umliegenden Lustschlössern und Landhäusern mehr einem großartigen königlichen Sommeraufenthalte, als einer gewerbthätigen Stadt.

Haararbeiten nennt man verschiedene aus Menschenhaaren geflochtene oder geklöppelte Putzgegenstände, wie Arm- und Uhrbänder, Schnuren, Schleifchen, Ohr­gehänge, Einlagen in Ringe und dergl., welche meist von Friseuren verfertigt wer­den, daher selten in den allgemeinen Handel kommen. Auch gehören dazu Stickereien von Haaren, mit denen Kupferstiche nachgeahmt sind und in denen besonders die Stickereimanufaktur von C. A. Hietel in Leipzig Ausgezeichnetes leistet. Ueber solche Haararbeiten welche den Zweck haben, das natürliche Haar zu ersetzen oder vorzustellen, s. Haarlocken, Haartouren und Perücken.

Haardecken oder Haarzüchen sind starke Gewebe aus Pferde-, Ochsen-, Kuh-, Reh- und anderen Haaren, denen auch zuweilen ordinaire Wolle oder Heede beigemischt ist und die als Fuß- und Pferdedecken, Schiffsdecken, Preßtücher in Oelmühlen, Regenmäntel, Mönchskutten und zum Einpacken verschiedener Maaren gebraucht werden. Man verfertigt sie an vielen Orten in Deutschland: in Hamburg, Altona, Lübeck, Braunschweig, Nordhausen, Wien, Klagenfurt rc., ferner in Hol­land, Irland, Rußland und Polen (zu Emballagen), Kleinasien und Mazedonien (zum Verpacken der Baumwolle) und auch in Nordamerika zu Regenmänteln unter dem Namen Taurinotuch. Mehrere Arten derselben gehen besonders nach Spa­nien, Portugal und Italien.

Haare, Menschenhaare, sind ein wichtiger Artikel für Friseure, die sie zur Verfertigung von Perücken, Haartouren, Locken, künstlichen Zöpfen und kleinen Haararbeiten brauchen. Sie werden gewöhnlich von herumziehenden Händlern oder Juden von Frauenzimmern auf dem Lande aufgekauft oder auch gegen Halstücher, Zeuge und andere Putzgegenstände eingetauscht und an die größeren Haarhändler, welche zuweilen Friseure sind, verkauft. Dies geschieht besonders im nördlichen Deutschland, der Altmark, Westphalen, Thüringen, dem Altenburgischen; ferner in Belgien (Brabant), wo sich das Haar gewöhnlich am längsten findet. Ueberhaupt ist die Länge ein Hauptvorzug des Haares, weshalb auch das von Männern nur selten gebraucht werden kann. Außerdem aber wird der Preis hauptsächlich durch