\ 8 Paradiestrauben — Paraguay.
wachsenden Paradies-Ingbers, Amomura granum Paradisi, welche zur Erzeugung von scharfem Essig und zu Likören verwendet, auch zuweilen bei hohem Preise des Pfeffers unter diesen gestoßen und, obgleich selten, als Gewürz an Speisen gebraucht werden. Sie sind ohngefähr so groß als Kardamomen, fast vierseitig, runzlich, außen glänzend braun, innen weiß, und haben einen aromatischen Geruch und einen brennend scharfen, pfefferartigen Geschmack. Sie werden, damit sie ihre Kraft nicht verlieren, mit den Hülsen versendet.
Paradiestrauben oder Paradiesrosinen nennt man eine sehr süße und wohlschmeckende Art Weintrauben, die in der Gegend von Bologna wachsen und getrocknet als Rosinen versendet werden.
Paradiesvögel ist eine zur Familie der Krähen gehörende Vogelgattung mit besonders schönem, metallisch glänzendem Gefieder, die an den Seiten viele lange, wohl 1 Fuß über den eigentlichen Schwanz hinausragende Federn mit zerschlitzten Bartfasern haben und denen außerdem aus dem Bürzel zwei noch längere Federn ohne Fahnen, Balänen genannt, herauswachsen. Sie finden sich nur auf Neuguinea und aus einigen nahegelegenen Inseln, wo die Eingeborenen sie vor Tagesanbruch auf den Bäumen, auf denen sie schlafen, mit kleinen Pfeilen schießen. Sie nehmen dann die Eingeweide und das Fleisch aus dem Balg und schneiden zugleich die Füße ab, stecken einen Stock durch den Schnabel hinein, schieben sie dann in ein hohles Bambusrohr und trocknen sie. So werden.sie an die malayischen und holländischen Kaufleute verkauft und von den ersteren nach Ostindien und China, von den letzteren nach Europa gebracht. Es giebt zwar mehrere Arten, aber nur zwei werden als Kopfschmuck der Damen in Asien und, wenn die Mode es erlaubt, auch in Europa beuutzt, nämlich: der große oder gemeine Paradiesvogel, Pai-adi86a apoda, welcher die Größe einer Drossel hat, braun, auf Kopf und Nacken blaßgelb, an der Kehle goldgrün von Farbe ist, und der kleine oder papuanische, P. papuana, welcher ca. 2 Zoll kleiner ist als jener, von Farbe braun, oben hellgelb, an der Brust tief rothbraun und am Kopf und Kehle smaragdgrün ist. Sie waren sonst sehr theuer, gegen 50 Thlr. das Stück, sind aber jetzt viel billiger; demohngeachtet sind sie ein sehr kostspieliger Putz, da die schönen Farben beim Sonnen- und Kerzenlicht bald verbleichen.
Paragone ist der Name eines sehr harten und eine schöne Politur annehmenden schwarzen italienischen Marmots.
Paraguatan heißt ein dem Kampecheholz ähnliches röthlichbraunes Farbholz aus Guyana,-'dessen Rinde auch zum Rothsärben gebraucht werden kann; aber beide kommen nur selten nach Europa.
Paraguay, Land im Innern von Südamerika, zwischen den Laplatastaaten, Bolivia und Brasilien, südlich und zum größten Theil auch östlich von dem Flusse Parana, westlich vom Paraguay begrenzt, 53000 lnMeilen mit kaum 200000 Einw. Nachdem es früher unter der Herrschaft der Jesuiten gestanden, welche 1609 ihre erste Niederlassung hier gegründet hatten, kam es 1778 an Spanien, von dem es sich 1811 frei machte und eine Republik bildete; aber schon im folgenden Jahre bemächtigte sich der D. Francia, Sekretair des Präsidenten, als Dictator der Negierung und beherrschte das Land bis zu seinem Tode im I. 4841 mit dem größten Despotismus, indem er zugleich den Verkehr mit den angrenzenden Republiken bei Todesstrafe verbot und nur mit Brasilien einige Verbindung unterhielt. Zwar beförderte er Ackerbau und Gewerbe, baute Straßen und an den Grenzen Festungen und rottete Diebstahl, Müßiggang und Bettelei aus; aber demohngeachtet steht die meist aus Indianern bestehende Bevölkerung in Folge des Despotismus, der Jsoli- rung und des erschlaffenden Klima'ü noch auf einer sehr niedrigen Kulturstufe. Obgleich die jetzige Regierung das frühere Jsolirungssystem wenigstens insofern ausge- gcbcn, daß sie mit den Laplatastaaten Argentina, Corrientes und Entrerios einen Vertrag zur freien Beschiffung des Parana abgeschlossen hat und die Schifffahrt auf demselben auch am 1. Oct. 1852 eröffnet worden ist, so werden doch viele Jahre

