Rechenkunst, kaufmännische. 135
Rechenkunst, kaufmännische, ist die Kunst die bei kaufmännischen Geschäften vorkommenden Rechnungen zu lösen. Da dies nur mit Hülfe der gewöhnlichen Rechnungsarten geschieht, so bedürfte es dazn eigentlich keiner besonderen Anweisung ; aber einestheils gehören zur Lösung kaufmännischer Rechnungsaufgaben auch verschiedene Kenntnisse, welche das Geld- und Wechselwesen, die Course, die Zinsen, die Staatspapiere und Actien, den Waarenhandel rc. betreffen und welche daher ebenfalls Gegenstände dieser Lehre sind, andern Theils lehrt sie auch die Rechnungsaufgaben mit Benutzung aller möglichen Vortheile so kurz und so schnell als möglich zu lösen, da es im kaufmännischen Geschäftsverkehr hauptsächlich darauf ankommt, möglichst schnell und doch richtig und sicher zu rechnen. — Der Raum unsres Werkes erlaubt es nicht, eine Anweisung zur kaufmännischen Rechenkunst zu geben, wozu ein eigenes Buch erforderlich sein würde; wir beschränken uns daher nur auf eine kurze Skizze derselben und verweisen übrigens auf die zahlreichen darüber erschienenen besonderen Werke.
Die kaufmännischen Rechnungen können in folgende Klassen eingetheilt werden: Procentrechnung, zu welcher die Rabatt-, Gewinn- n. Verlust-, Zinsen- und Discontrechnung gehört; Gold- und Silberrechnung, Münzrechnung, Wech- selrechuung, Staatspapier- und Actienrechnung und Waarenrechnung.
I. Pro centrech nu ng. Procente nennt man beim Rechnen diejenige Summe oder Größe, welche eine andre nach einem gewissen Verhältnisse zu 100 giebt. Man kann die Summe, von welcher Procente zu berechnen sind, das Kapital nennen, (obgleich dieser Ausdruck eigentlich nur in der Zinsrechnung jrichtig ist), und die Zahl welche das Verhältniß zu 100 ausdrückt (z. B. 5% wenn 100 5 giebt) heißt der Procentsuß oder der Procentsatz. Es giebt 3erlei Procente: 1) vom Hundert, wenn sich der Procentsatz auf die Zahl 100 selbst bezieht (also z. B. 100 giebt 5); 2) auf Hundert, wenn er sich aus die um den Procentsatz vermehrte Zahl 100 bezieht (105 giebt 5); 3) in Hundert, wenn er sich auf die um den Procentsatz verminderte Zahl 100 bezieht (95 giebt 5). Die erste Art kommt am häufigsten vor. Durch die Procentrechnung wird meist der Betrag der Procente gesucht; es kann jedoch auch das Kapital und der Procentsatz gesucht werden. Die Berechnung geschieht durch die gewöhnliche Regeldetri; wenn jedoch der Procent- satz ein einfacher Bruchthcil von 100 ist, hat man, um die Procente vom Hundert zu finden, nur nöthig, das Kapital durch den Nenner dieses Bruchs (also bei 6 V 4 O /0 durch 16), bei Procenten auf Hundert durch den Nenner -s- 1 (bei 6 ^ 0 ^ durch 17) und bei Procenten im Hundert durch den Nenner — 1 (durch 15) zu dividiren. — Anwendungen der Procentrcchnung sind die Rabattrechnung, die Gewinn- und Verlustrechnung, die Zinsenrechnung und die Discontrechnung. 1 ) Die Rabattrechnung ist eine einfache Procentrechnung, entweder vom 100 oder auf 100, denn der Rabatt wird bald auf die eine, bald auf die andre Art berechnet. — 2) Durch die Gewinn- und Verlustrechnung kann berechnet werden: wieviel der Gewinn oder Verlust an einem Kapital (einer Quantität Waare rc.) zu einem gewissen Procentsatze beträgt; wieviel Procente der bekannte Gewinn am ganzen Kapitale ausmacht; zu welchem Preise eine Waare, deren Einkaufspreis bekannt ist, verkauft werden muß, wenn gewisse Procente daran gewonnen oder verloren werden sollen; zu welchem Preise eine Waare eingekauft werden muß, wenn bei einem festgesetzten Verkaufspreise gewisse Procente daran gewonnen oder verloren werden sollen; wieviel Procente Gewinn oder Verlust der bekannte Einkaufs- und Verkaufspreis giebt. Die Berechnung geschieht durch die Regeldetri oder durch einen Kettensatz; das letztere wenn der Einkauf und der Verkauf für verschiedene Quautitätseinheitcn oder in verschiedenen Münzsorten angegeben sind und wenn Spesen nach Procenten mit in die Berechnung aufzunehmen sind. — 3) Bei der Zinsrechnung heißt der Procentsatz der Zinsfuß und die Procente die Zinsen; außerdem kommt dabei jedoch noch die Zeit in Betracht und deshalb muß man zur Lösung der meisten hierher gehörenden Aufgaben die

