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terziehen sich der unentgeldlichen Anfertigung von Kleidungsstücken. Sie ver­sammeln sich zu gemeinschaftlicher Arbeit jeden Donnerstag Nachmittags von 25 Uhr, in einem bestimmten Local. Nur solche Arme werden unterstützt, die entweder durch ein amtliches Zeugniß ihre Bedürftigkeit nachgewiesen haben oder deren Lage einzelnen Mitgliedern des Vereins näher bekannt ist. Ein Ausschuß von 8 Mitgliedern besorgt die Geschäfte, alle persönlichen Leistungen geschehen unentgeldlich.

Solche Frauenvereine, welche Arme in Stadt und Land mit Kleidern unterstützen, zählen wir mehrere, wie in Bönnigheim, Ellwangen, Heil­bronn, Ludwigsburg, Nürtingen, Tübingen, Wildberg.

Ein anderer Verein, der auch armer Landleute sich annimmt, ist

9) Der sogenannte Ernte verein, welcher zunächst daher seinen Na­men hat, daß der Gründer desselben, Ph. Paulus auf dem Salon bei Lud­wigsburg, arme Aehrenleserinnen beherbergte und, durch sie veranlaßt, ihrer Noth näher nachforschte. In Folge davon richtete er eine sogenannte Ernte­bitte an das Publikum, und bald fand seine Idee nicht nur allgemeinen Bei­fall, sondern es trat inStuttgart ein Comite von 7 Mitgliedern zusammen, aus welchem der Ernteverein hervorgegangen ist. Der Grundgedanke ist, be­sitzlosen Familien der ärmsten Gegenden des Vaterlandes, namentlich auf dem Lande, dadurch wieder aufzuhelfen, daß der Verein 1) Aecker, Wiesen, Gaisen und nach Umständen auch Wohnungen erwirbt, und sie ihnen vorerst nur nutz­nießungsweise überläßt, um jede Veräußerung derselben zu verhüten und- thigenfalls die Zurückziehung zu sichern; 2) durch örtliche Armenpfleger (Pfar­rer, Lehrer, Schultheißen und sonstige Armenfreunde) die Leute in ökonomischer, sittlicher und religiöser Beziehung unter fortwährende innere Pflege, Aufsicht und Leitung zu bringen sucht, um sie so zu gleicher Zeit aus ihrer leiblichen und geistlichen Verkommenheit herauszureißen und für die Gesellschaft wieder zu gewinnen. Der Anfang geschah im Jahr 1854 bei einer verarmten Wittwe mit 4 kleinen unerzogenen Kindern, indem für sie mit 37 fl. ein % Morgen großer Acker und eine Gaise gekauft und mit weiteren 8 fl. eine ordentliche Wohnung vorläufig auf ein Jahr gemiethet wurde. Im August 1858 zählte der Verein aber schon 181 Familien, die er mit einer Summe von 9,347 fl. in seine besondere Fürsorge genommen hat, und zwar aus 28 Gemeinden in 6 Oberämtern. Davon haben bis dahin 149 Familien durch ihr Verhalten den Erwartungen des Vereins entsprochen, während bei 20 Familien die Besserung noch unentschieden war, und nur 12 ernstere Ver­warnungen erhalten hatten. Bis zum Schluß des vorigen Jahrs nahm der Verein 13,968 fl. 30 kr. ein, hat aber davon das Meiste wieder ausgegeben, ja bereits so viele neue Posten vorausverwilligt, daß ihm ein Deficit von 1029 fl. 17 kr. zu decken übrig geblieben war, das auch alsbald durch die Freigebigkeit Ihrer Königl. Hoheit der Frau Prinzessin Marie von Württemberg vollständig gedeckt wurde. Eine Versammlung von Freunden des Vereins denn eigentlich verpflichtete Mitglieder hat er nicht,