Erster Haupttheil.

Arithmetik.

Erster Abschnitt.

Von den Zahlen überhaupt und ihrer Bezeichnungsart.

21. Wenn der Gegenstand der reinen Arithmetik uns nicht durch die Erfahrung gegeben seyn kann (6) die uns nicht auf allgemeingültige und nothwendige Satze leitet so können wir auch die Entstehung des Begriffs der Zahlen nicht von den äußern Dingen herleiten, sondern müssen sie in unserm Gemüthe selbst aufsuchen.

22. Mit dem Bewußtseyn unserer Vorstellungen wer­den wir uns auch des Wechsels derselben bewußt. Darin liegt der Grund unserer Vorstellung des Nacheinanderseyns in den Erscheinungen, woraus hinwiederum die Vorstellung von Zeit in uns entsteht. Diese stete Erneuerung der Vor­stellungen in unserm Gemüthe bringt in uns das Bewußt­seyn einer Mannigfaltigkeit der Vorstellungen her­vor, und diese gibt, an und für sich betrachtet oder von dem Inhalte der Vorstellungen selbst abstrahirt, die Vorstellung der Vielheit oder Menge.

25. Eben so gut als wir uns der Mannigfaltigkeit un­serer Vorstellungen überhaupt bewußt werden, werden wir uns auch der verschiedenen Grade derselben bewußt, und indem wir diese Grade bestimmen, bilden wir die Begriffe der Zahlen. Zahlen sind also Ausdrücke eines be­stimmten Grades der Mannigfaltigkeit unserer Vorstellungen oder Ausdrücke bestimmter Mengen.