Verderbniß unſeres Fleiſches reißen uns allzu häufig zu Feh­lern, ach, zu Sünden hin, die der treue Herr nicht gleich­gültig überſehen kann, ſondern ahnden und ſtrafen muß, da mit unſer Glaube rechtſchaffen und viel köſtlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durch's Feuer be vähret wird, zu Lob, Preis und Ehre am Offenbarungstag des Herrn Jeſu.

Dann verſtummen die Freudenlieder; dann geht es an ein Weinen und Klagen: wir ſchütten unſere Rede vor dem Herrn aus, wir zeigen unſere Noth vor Ihm an. Das ge­beugte und gedemüthigte Kind Gottes mag vielleicht fragen, warum der Herr es mit ſo ſcharfer Zucht heimſuche; doch Er wird ihm antworten, daß Liebe nie der Sünde pflege; daß aber bei allem Ernſt und aller Strenge die Gnade doch nicht von ihm weiche, und Er es nur glücklicher machen wolle, indem Er es heiliger mache.

Solches treibt uns denn recht zum Beten, zum Flehen, zum Schreien an, und hiezu möchte ich alle Leſer dieſer Vor­träge ebenſo herzlich als dringend einladen. Die lieben Seelen aber, die ich in den letzten 6 8 Monaten in Würtemberg, Baden und der Pfalz habe bedienen dürfen, wiſſen wohl, daß das rechte Gebet auf der Verſicherung der Vergebung unſerer Sünden ruhen muß, weil es ſonſt entweder in einen Frohn­oder Ceremoniendienſt oder gar in Schwärmerei ausartet. Hat es aber damit ſeine Richtigkeit, und ſind wird feſt über­zeugt, Daß der Schuldbrief iſt zerriſſen, Daß wir unſrer Bande frei,

ſo werden wir nicht blos für uns beten, ſondern auch für unſere Hausgenoſſen, Verwandte, Freunde und Nachbarn, unſere Geiſtlichen, Ortsvorſteher und Lehrer, die Gemein­ſchaft, die wir beſuchen, die Seelen, die ſich unſerer beſondern