Eine Begegnung im Walde.
— Ich habe immer gewünscht, Sie zum Freunde zu haben, sagte er, aber ich hätte mich gescheut zuerst einen schritt zu thun, der etwa nicht erwidert werden konnte; aus Stolz habe ich mich dessen enthalten. Heute sehe ich wohl, daß ich zurückhaltend gewesen und bin entschlossen, diese neue Gelegenheit, mich dauernd mit Ihnen zu verbinden, nicht vorübergehen zu lassen. Nicht aller Welt werde ich sagen, was Sie jetzt wissen sollen. Ich bin nicht sehr mittheilsam, Sie haben es bemerken müssen. Gleichwohl fühlte ich seit einiger Zeit das Bedürfniß mich anzuvertrauen; ich hatte sogar einen Brief an einen meiner Freunde, der am andern Ende von Frankreich ist, angefangen; aber die Einzelnheiten, in die ich eingehen mußte, haben mich abgeschreckt. Es giebt, Sie wissen es, solche kleine Dinge, die man nicht schreibt, die kindisch scheinen, und die trotzdem einen großen Einfluß auf das Geschick haben. Sie find am besten angethan mich zu verstehen und ich danke auf's Neue dem Zufall für diese unerwartete Begegnung.
— Ich habe kaum vor meiner Ehe das, was Familienleben ist, gekannt. Meine Eltern lebten nicht bei einander. Ich erinnere mich, daß ich, ganz jung, Zeuge eines langen und wunderlichen Streites war, der sich zwischen ihnen erhob, und in Folge dessen sie sich für immer trennten. Ich blieb bei meinem Vater. Er war Bureauchef um Ministerium, wo ich später eingetreten bin, und da er nicht zu Hause aß, sah ich ihn öfters ganze Wochen nicht. Im Uebrigen bezeigte er mir keinerlei Zuneigung und ich besinne mich nicht ihn je geküßt zu haben. Ich war der Fürsorge meiner Bonne anvertraut, die nicht bösartig war, und — ich erkenne es jetzt an —■ mich lieb hatte, die aber bald mich brutal schlug, bald vor lauter Küssen und Liebkosungen mich verschlang. Diese Bonne führte mich fast täglich nach den Tuilerien; hier sah ich meine Mutter, die mir Bonbons brachte und mich convulsivisch küßte.

