Wiedergefunden.

Ich war nur für die Bonbons empfindlich. Mein Herz, dem die milde Wärme des häuslichen Heerdes gefehlt, hatte sich noch nicht aufgeschlossen. Ich bestehe hierauf, denn die Eindrücke der Kindheit ließen eine tiefe Spur in mir zurück, und die Beobachtungen, welche ich in der Folge in einigen Häuslichkeiten machte, wo man mich zuließ, bestärkten mich mehr und mehr in der Idee, daß alle Eltern den meinigen glichen. Dieses hat mich früh die Welt lieben machen, denn da sah ich, daß Jeder sich beschränkte und die Beziehungen somit mehr Milde und Würde hatten. Ich war noch im Lyceum, als ich meinen Vater und meine Mutter bald nach einander verlor. Ich muß Ihnen bekennen, daß ich diesen Verlust wenig fühlte, und da ich durch einen Vetter, der mein Vormund war, erfuhr, daß sie mir nahe an 200,000 Fr. hinterlassen, dachte ich alsbald nur an das Vergnügen, daß ich sie zu verthun haben werde, sobald ich mündig wäre.

Es fehlte mir Jemand, dessen Rathschläge mich zu­rückgehalten hätten. Nicht ohne ein Gefühl von Schrecken denke ich an die vollständige Freiheit, au deren Vor­abend ich damals stand. Zn meinem großen Glücke traf ich, grade den Tag, nachdem ich das Lyceum ver­lassen, einen meiner alten Kameraden, älter als ich, aber gleich mir Waise, der in weniger denn 2 Jahren ein sehr schönes Vermögen durchgebracht hatte. Er bat mich ihm 20 Fr. zu leihen. Das brachte mich zum Nachdenken; ich sah, wie leicht es ist, sich herunter­zubringen, und that sofort Schritte, eine Stelle zu be­kommen. Jndeß, da wir immer aus unsre Kosten Er­fahrungen machen müssen, so hätte ich einige Zeit darnach fast alle Frucht meiner guten Entschlüsse ein­gebüßt. Sie errathen, es handelt sich um eine Frau. Ich will Ihnen diese Liebesgeschichte nicht erzählen: sie gleicht allen denen aus dem 20. Jahre, und verflicht sich für mich mit Erinnerungen, über die ich erröthe und die ich vergessen möchte, trotzdem, daß ich mir kei-