9. 17. die Leichenpredigt,
die der Emſige auf dem unzierlichſten aller unzierlichen Flicke verfügt hatte. Der Baron fühlte, daß ihm dies eine Art von Pranger ſeyn würde; indeß war ihm auch dieſe Anordnung, die er herzlich gern mit drei Nullen hinter der Eins mehr abgekauft hätte, heilig, ſo daß er ſich rühmlichſt entſchloß, ſie als die letzte Oelung, zu der er ſich als Schwiegerſohn bequemen mußte, zu ertragen, und dem Ge— wiſſensrathe nur beliebte Kürze empfahl, da er wohl wußte, daß mit dieſer Leichenpredigt all' ſein Wechſeljammer und Elend, welches er als Schwiegerſohn erduldet, begraben ſeyn und nicht mehr auferſtehen würde. Der Baron fand es unerträglich, den Wohlſeligen und ſich ſo ſchrecklich lobpreiſen zu hören; indeß war das Volk in Rückſicht der milden Stiftungen ſo ſehr mit Schwiegervater und Schwieger— ſohn zufrieden, daß ſich hier und da die Stimme hören ließ, der Vater ſey wohlſelig, der Schwiegerſohn hochſelig, obgleich dem Schwiegerſohne mit der Hochſeligkeit ſehr wenig gedient war, und er ſie gewiß ganz gern ſo weit als möglich von ſich entfernt wünſchte. Da wir einmal einer Leiche zu ihrer Ruheſtätte folgen und an einer Leichenpredigt gar kläglich laboriren, ſo ergreife ich dieſe Gelegenheit, das Fräulein Couſine mit ihrem ehrenvollen grauen Haar zu ihrer Ruhe zu bringen. Meine Leſer und Leſerinnen wer— den mir die Gerechtigkeit gewiß nicht verſagen, daß ich beiläufige Perſonen in dieſen Kreuz- und Querzügen nicht lange quälen laſſe; und warum ſollt' ich auch? Zwar würde mir dieſe rollenſüchtige Schauſpielerin keinen Dank dafür wiſſen, daß ich ihr in dieſer Geſchichte bloß eine Soubrettenrolle

