Beffer, verſetzte Michael, fie wären nicht Wohlerzogene ge weſen, beſſer von Straßen und Zäunen, als mit hochzeitlichen Kleidern!

Nicht alſo, erwiederte der Junker, der rohe Menſch hat feinen Mantel, jo wie der Erzogene, fie find nur von anderem Schnitt und anderer Farbe! Es geht bei Menſchenbeobachtungen kein Haar beſſer, wie beim ſtark beſetzten Concerte, wo man, beim Geräuſch der ſtärkeren Inſtrumente, die Violiniſten zwar ſpielen ſehen, nicht aber hören kann. Der Gaſtvetter, der den herr­lichſten Seelenhonig, wenn gleich auch manchen Seelenſtachel, in Roſenthal zurückließ und deſſen Sache fo wenig das leere Fach her Titulatur oder Spekulation war, daß er vielmehr im Ganzen alles ganz herrlich einzugliedern verſtand, machte mich auf die Inſtru­mente der Wünſche aufmerkſam, welche bie Menſchen fo ganz ver» ſchieden ſpielen. Wünſche, Michael, find nichts mehr, nichts weniger, als Gebete, mit dem Uuterſchiede, daß der liebe Gott Gebete hören ſoll, Wünſche aber nicht. Gelt! Gamaliel war nicht anderer Meinung? Wünſche nimmt ſich der Menſch ſo wenig übel, daß man ihn eben dadurch, im gemeinen Leben, faſt handgreiflich faßt. Dieſe Wünſchelruthe, die mir der Gaſtvetter behändigte und die mir bis jetzt noch am richtigſten ſchlug, habe ich, um Menſchen zu kennen, in Segen gebraucht. Kannſt du glauben, daß der wahre Geizhals ſich ſelbſt nicht viel wünſcht?

Andern gewiß noch viel weniger, fiel Michael ein.

Nicht anders, erwiederte der Junker.

Vielleicht aus Neid? ſagte Michael.

Aus Geiz.

O des Thoren!

Neid und Geiz ſind oft nahe, oft ſehr entfernt verwandt, was ich dir aber ſage, aus purem Geiz.

Mit Ew. Gnaden Erlaubniß ſcheint mir dieſer Eingang der