Hiſtoriſche Einleitung. 9
ſelten die Kriegsdienſte in Perſon leiſteten. Unter ihnen ſtand die niedere Geiſtlichkeit, wie die Freien unter den Edlen und Fuͤrſten. Da ſie aber die Einzigen waren, die in jenen Zeiten der Unwiſſenheit noch einige Kenntniſſe, waͤre es auch nur des Leſens und Schreibens, bewahrt hatten, ſo wurden ſie bald den Fuͤrſten unentbehrlich, ihre Rathgeber und Ge— ſchaͤftsfuͤhrer, und als die friedlicheren Anhaͤnger der Fuͤrſten ein wichtiges und daher beguͤnſtigtes Gegengewicht gegen den Trotz des Adels. Angelegenheiten der Kirche und des Staats wurden ſehr natürlich auf gemeinſamen Verſammlungen abgemacht; daher die Anweſenheit der Fuͤrſten und Edlen auf Kirchenverſammlungen, und der große Einfluß der Geiſtlich—keit auf die offentlichen Angelegenheiten jener Zeit. Damals hatte die Religion noch etwas von ihrer erſten Reinheit, und der gehörfame Glaube der Barbaren machte ſie zu einer heilſamen Gewalt zum Frieden und zur Verſoͤhnung. Die Biſchoͤfe wurden geehrt, weil ſie Tugend beſaßen, und wohlthaͤtig traten ſie zwiſchen die Sieger und unterjochten Volker.— Diefe im Ganzen loͤbliche Einrichtung beſtand bis ins 9. Jahrh., wo nach dem Tode Carls des Großen, von zwei Seiten her dieß Gebaͤude erſchuͤttert, und ein wilder, gewaltſamer Zuſtand herbeigeführt wurde. Von der einen wurden die Lehne nach und nach erb— lich, und die großen Vaſallen machten ſich als eigne Fuͤrſten immer unabhängiger von den Königen; den
kleineren und Freien blieb nichts uͤbrig, da ſie die Koͤnige nicht ſchuͤtzen konnten, als ſich unbedingt in die Arme der Maͤchtigen zu werfen; ſie wurden Leib—

