Gretchen ließ sich des braven Jünglings Werbung gefallen, und sie willigte in sein Begehren, wenn Vater und Mutter nichts dagegen haben würden. Diese hatten nichts dagegen, und der Hochzeittag wurde festgesetzt. Als dieser erschienen war, da eilte Greichen mit dein An« bruche des Tages zum Grabe ihrer Mutter, und überließ sich daselbst ihren Gefühlen, die sie mit folgenden Worten ausdrückte:
Glocken läuten, Orgel tönet.
Und es harrt der Bräutigam,
Und noch fließen meine Thränen
Bald vor Freude * **) ) bald vor Gram *')
Seit der frühste Morgen graute,
Knie ich hier auf deinem Grab,
Dank dir, liebe, treue Mutter!
Dank für alles, was ich hab!
Hast mich fromm und treu erhalten.
Wie ichs ehrlich sagen kann.
Hast mir auch cei» Wort gelöset.
Gabst mir einen braven Mann.
*) Ueber ihr Glück, das sie von ihrer Verheirathung mit Recht erwartete.
**) Ueber den Tod der guten Mutter, und daß diese nicht an ihrer Freude Theil nehmen konnte.

