doch deine Gestalt wieder lieblich anzuschauen, und deine Lebenskraft »»geschwächt. Deine Mutterliebe muß ich loben und bewundern. Kein einziger Baum sorgt so liebreich, wie du, für seine Nachkommenschaft. Deine Kleinen hüllst du sorgfältig in weiche Wolle ein, damit sie nicht durch Kälte oder Nässe leide» mögen, und bietest dadurch zugleich den Bienen eine vortreffliche Nahrung. Wie die Tanne dem Menschen mit Gefahr und oft mir Aufopferung ihres eigenen Lebens edelmüthig eine Schutzwehr ist gegen die Schneemassen, die sich vom hohen Gebirge herab auf seine wehrlosen Wohnungen stürzen wollen, so gewährst du seinen Feldern und Wiesen mit eigener Aufopferung einen mächtigen Wall gegen den heranbringenden Flugsand der Dünen, der sie zu ver- schlingen droht; ja selbst sein Leben rettest du oft durch die wunderbare Kraft, welche du in deiner Rinde verbirgst, und worin du dem berühmten Baume ähnlich bist, dessen Rinde weit über das Meer zu uns hergeführt und aufs theuerste bezahlt wird. So kannst du denn, wenn von der Nützlichkeit die Rede ist, dich kühn mit jedem Baume messen, besonders da du in deiner rühmlichen Genügsamkeit mit jedem Boden zufrieden bist, und auch in dem dürrsten und nahrungslosesten dich auf eine unbeschreiblich schnelle Weise fortpflanzest. Darum wirst du auf den höchsten Gebirgen und in den tiefsten Thälern, im morastigen und im dürren Boden gesunden, und überall stehst du in kräftigem Grün und in dichtem Laube da, wenn andere Bäume neben dir, durch Sonnenhitze entkräftet, ihr Laub schon im Sommer fallen lassen. Dich segnet der Wanderer, ivenn er in deinem Innern Schutz vor gewaltigen Regengüssen findet, und der Landmann, wenn du mit deinen schlanken und biegsamen Gliedern seine Felder gegen die Verwüstungen des Viehes sicherst; dich preiset der Gärtner, wenn du diese zarten Glieder um die zarten Stämme der Fruchtbäume und um die Rebe» des Weinstocks schlingst, damit der Sturm sie nicht zerreißen und verwüsten möge, und nicht genug kann der Korbflechter die guten Dienste rühmen, welche du ihm leistest, und die Geschmeidigkeit, mit welcher du dich in jede Form zu fügen weißt, und dir dankt ee der Arme mit Thränen, wen» die Holz- noth ihn quält, daß er sich nothdürftig gegen die Kälte schützen kann."'
Hier wandte sich Vater Frohmulh an seine Zuhörer mit der Frage: Welchem unter den belobten Bäumen würdet Ihr denn nun den Vor«
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