96
ein König oder ein General, ein Wcltweiser oder ein Künstler gewesen war. Nicht einmal die Nation, zu welcher er gehörte, wußte Gustav zu nennen.
Es war eines Sommers, zu welcher Zeit sich Gustavs Vater einige Wochen auf dem Lande aufzuhalten pflegte, als der Hofmeister plötzlich einen Brief erhielt, mit der Bitte, den Vater des andern Tages zu besuchen, weil derselbe krank geworden war- Gustav sollte in der Stadt zurück bleiben. Das war dem Knaben eben recht. Denn ohne Aufsicht konnte er thun, was ihm beliebte- Zwar befahl ihm der Lehrer vor seiner Abreise nochmals, sich die kleinen Aufsätze über die Statuen empfohlen seyn zu lassen. Gustav versprach auch, dem Willen des Hofmeisters nachzukommen; allein, so bald der Aufseher den Rücken wandte, war das Versprechen vergessen. Vierzehn Tage blieb der Lehrer auf dem Lande; und vierzehn Tage gieng Gustav müßig. Er besuchte zwar den Garten, aber Schmetterlinge und Käfer hatten mehr Interesse für ihn, als die Bildsäulen. Die Fische im Teiche füttern, Angeln auswerfen, und den Vögeln nachstellen, waren auch Beschäftigungen, die die Zeit hinbringen halfen. Bücher und Schreibcmaterialien blieben unangetastet.
Gerade in der Gegend der herrischen Bildsäule traf er eines Tages im Grase einen Ygel. Das war ein nicht täglicher Anblick für ihn. Das Thier ward vorgenommen, hcrumgekollert, zuletzt gemißhandelt. Gustav versuchte gar dem Thiere die Stacheln auszurechen; ein Versuch, der dem leidenden Vgel mißfiel, welches er auch durch Bewegungen zu erkennen gab. Doch daran kehrte sich

