3
einen Brief an den Pfarrer bestellte, empfing er sogar einen Groschen.
Dies Alles gefiel ihm und seiner Mutter so wohl, daß sie nichts dagegen hatte, als er sagte, er wolle nicht zu dem Buckschneider in die Lehre gehen, sondern bei dem Postweseu bleiben, und mit der Zeit in die ledernen Hosen und großen Stiefel kommen, und unter den Federbusch.
Also ging er von nun an einen Tag wie den andern auf die Post, und war dort gehalten, wie der Sperling, der, wenn der Tag graute, auf den Hof kam und Abends wieder in sein Nest zurückkehrte. Niemand hieß ihn kommen, Niemand hieß ihn gehen, Niemand sagte, daß er irre, und Niemand, daß man ihn brauche. Aber wo etwas zwei miteinander thun konnten, war er dabei. Wenn der Postknecht seine Stiefel wichste, putzte er die Sporen, oder wenn das eine Pferd eingeschirrt wurde, machte er sich an das andere, und wenn die Posthalterin das Tuch aus der Bleiche begoß, holte er in den Gießkannen das Wasser dazu aus dem Bach. Auch bei Tisch hatte er weder Platz noch Löffel für sich allein; er aß, was die Dienstboten übrig ließen, und wenn er gegessen hatte, wischte er die Löffel an das blaue Tuch und warf sie in die Tischlade; die große Schüffel und die hölzernen Teller aber trug er hinaus in die Küche.
Darüber nach zwei oder drei Jahren kam der Tag, wo der Posthalter zu seiner Frau sagte: „Heut ist's Jakobi, und wen» dir's recht ist, will ich den Michel als Beiläufer dingen." Und die Posthalterin hatte nichts dagegen. Aber an demselben Morgen, noch ehe er das Haftgeld in der Hand hatte, schlug ein neues Pferd aus, das der Michel noch nicht kannte, und zerschmetterte ihm den Schenkel. Er mußte lange zwölf

