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stehen. Die Mauren, ein cingewandcrtcr Stamm, wohnen in den Städten und treiben Handel und Gewerbe. Die Beduinen ziehen als Nomaden im Innern des Landes umher und wohnen unter Zelten. Reiterei ist der Stolz und das Bergungen dieser Völkerstämme. Die prachtvollen Berberhengste stammen von den arabischen Pferden ab.
In einem großen Kabylendorfe am Fuße eines Gebirges, das einen Zweig des AtlasgcbirgeS bildet, wohnte El Rain an, ein ehemals vcrmöglichcr Bauer, der aber durch Unglück aller Art um sein Vermögen gekommen war und aus seinem früheren Wohlstände nichts gerettet hatte, als ein herrliches Pferd, das sich ebensosehr durch seine Schönheit und edle Gestalt, als durch sein Feuer und seine Kraft und Geschwindigkeit auszeichnete.
Dieses herrliche Thier hatte schon längst den Neid des reichen Schciks jenes Kabylcndorfcs erregt. Ums Leben gerne hätte er
dieses Pferd selbst besessen. Er hatte dem El Raman eine bedeutende Summe dafür angeboten. Aber El Rain an wollte sich von
seinem Pferde nicht trennen, das er aufs Zärtlichste liebte, das ihm schon mehr als einmal das Leben gerettet hatte, und das auch an ihm mit aller Liebe hing, deren ein Thier fähig ist.
„Was thust denn aber du, armer Tropf, der du kaum im Stande bist, dich und deine Kinder zu ernähren, mit einem solchen edlen Pferde?" hatte der Scheik unmuthig den El Raman gefragt, als es dieser ihm abgeschlagen.
„Es ist die einzige Freude, die ich noch auf dieser Welt habe; das einzige Besitzthum, das mir mein kümmerliches Leben noch
erheitert," hatte El Raman gesagt. „Warum willst du auch dieses mir rauben?"
Allein darum hatte sich der stolze, selbstsüchtige und leidenschaftliche Scheik nichts bekümmert. Was galt ihm die Freude eines
armen Mannes? Wüthend über den Widerstand, den ihm El Raman leistete und den er gar nicht erwartete, hatte er von jenem Tage
an den El Raman auf jede mögliche Weise gedrückt und verfolgt und es auch endlich dahin gebracht, daß demselben zu Gunsten seiner Gläubiger sein schönes Pferd verkauft werden mußte. Gerne hätten die Gläubiger zugewartet, bis El Raman bezahlen konnte, aber dann hatten sie den ganzen Zorn des Schciks zu fürchten. Bei der Versteigerung hatte der Scheik selbst dieses Pferd um einen
Spottpreis kaufen lassen, denn er hatte dafür gesorgt, daß Niemand wagte, ihm in den Kauf zu stehen.
Mit schwerem Herzen und unter Thränen hatte El Raman seinem Liebling den letzten Kuß auf den Mund gedrückt, als man es abführte, und das kluge Pferd hatte ihm wehmüthig den Abschiedsgruß zugewiehert, da es sein Schicksal ahnte, und noch einigcmale auf dem Abschiedswcgc den Kopf laut und heftig wiehernd nach El Ramans armem Häuschen umgewendet.
Als man dieß dem Scheik erzählt, hatte er dem El Raman ein Geldgeschenk zugesendet, um ihn zu versöhnen. Dieser aber hatte es nicht angenommen. „Sage deinem Herrn," hatte er zu dem Diener gesagt, der ihm das Geschenk brachte, „er möge sein Geld behalten. Das Herz des Armen schlägt so warm, als das des Reichen! Was er an mir gethan hat, wird Allah vergelten und von nun an wird sich Allahs Fluch an die Hufe meines Lieblings heften, wenn dein Gebieter es besteigt!"

