Der Schcik hatte des Armen gelacht und in wenigen Tagen hatte Niemand mehr von der Sache geredet.
Seitdem waren vier Monate vergangen, ohne daß der Scheik El Ram aus Pferd geritten hätte.
Nun aber veranstaltete er mit mehreren Freunden eine Pantherjagd und auf dieser sollte das Pferd seinen Triumph feiern.
Der Panther oder Parder ist eigentlich nur ein kleinerer Tiger, größer als der Leopard, und ebenso räuberisch, wild und grausam, als der Tiger. Sein Fell aber ist goldgelb und hat schwarze Flecken, die aber größer und weniger regelmäßig sind, als bei dem Leoparden. Er geht Nachts auf den Raub aus und ist Schafen, Gazellen, Ziegen, Rindern und Kälbern sehr gefährlich. Den Menschen fällt er zwar nicht leicht an. Wenn er aber gereizt wird, ist er fürchterlich, wie der Tiger und Leopard. Man erzählt von dem Sohne eines maronitischen Priesters auf dem Libanon Folgendes. Derselbe ging eines Abends durch das Gebüsch nach Hause, als er einen Leoparden erblickte, der gerade auf ihn zusprang. Doch kam er ihm zuvor und schoß ihn mit seiner Flinte gerade durch die Stirne. Aber kaum war dieser erlegt, als ein zweiter auf den Jüngling zuraunte. Dieser faßte sein langes Messer, welches er an
der Seite hatte, so, daß, als das Thier auf ihn loösprang, ihm das Messer in den Bauch ging. Auch dieser war also überwunden.
Im Schrecken ließ ihm der Jüngling das Messer im Bauch stecken und eilte weiter. Kaum war er einige hundert Schritte weiter gegangen, als der dritte kam. Nun hatte er nichts mehr bei sich, als seine ungeladene Flinte; mit dieser stellte er sich in der Verzweiflung so, daß sie dem Thiere, indem dieses auf ihn losstürzte, die Stirne einschlug. Hiemit zerbrach aber auch die Flinte und er war nun völlig entwaffnet. In diesem Zustande kam er nach Hanse. Die Eltern sahen bald an ihm, daß ihm etwas Schweres müsse begegnet sein, und da er ihnen den ganzen Vorgang erzählt hatte, gingen sie am andern Morgen und zogen den erlegten Thieren die Haut ab.
Der Sohn aber legte sich und starb nach drei Tagen an den Folgen des Schreckens.
Das Fleisch des Panthers essen die Neger; die Berbern aber nicht, da die Muhamedaner von keinem durch eine Kugel erlegten Thiere essen, weil sie alles Fleisch, von dem das Blut nicht abgeflossen ist, als unrein betrachten. Sein Fell aber schätzen sie und
gebrauchen es zu Decken.
Als der bestimmte Tag der Pantherjagd herbeigekommen war, ritt der Scheik wohlgcmnth mit seinen vier Freunden aus.
El Romans Pferd schritt edel und mnthig daher und war das Schönste unter den fünfen, die zur Jagd auszogen. Wohlbewaffnct mit
langen Flinten und mit frischgeschärften Lanzen ritten die Jäger dem Dickicht zu, das am Abhänge des Gebirges lag und in dem sich
die Panther gerne aufzuhalten pflegten.
Noch unterwegs prahlte der Schcik viel von dem Muth, der Kraft und der Geschwindigkeit des trefflichen Pferdes, das er rill. Nicht lange, nachdem die Treiber, welche die Jäger mit sich genommen hatten, im Dickicht Lärm gemacht hatten, stürzte ein Panther durch das tiefe Gestrüppe daher, in dem sie auf ihren Raub zu lauern pflegen.

