23

herab betn Mir« auf die Stirne. Mira aber, nicht faul, rennt im stärksten Laufe gegen einen starken Baum und zerdrückt an seinem Stamm den Tiger, der zerquetscht zu Boden fällt. Mit einem solchen Thiere kann man es wagen und unsere Sakuuta dazu! Was ist da zu befürchten?"

Der Vater willigte, obgleich ungerne, ein und der Sohn zog muthig auf die Tigerjagd aus, nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren.

Am Tage vor der Jagd wurde ein Ort im Walde aufgesucht, in dem sich einige Tiger aufhielten. Damit in der Nacht keiner derselben entweichen konnte, wurden rings um den Platz Feuer angezündet und Wachen ausgestellt. Am andern Morgen, als kaum die Sonne aufgegangen war, kam der junge Fürst mit seiner Sklavin, einigen Jägern und seinem Freunde herbei. Der junge Fürst ritt in einem Tragsessel auf dem Mira. Der Freund auf der Sakuuta. Die Elephanten waren schön geputzt und mit kostbaren Decken behängen. Sobald sie sich am Rande des Waldes aufgestellt hatten, gingen die mit kurzen Schwertern bewaffneten Jäger in den Wald hinein. Unglücklicherweise schloß sich diesen auch der Freund des jungen Fürsten, ein verwegener Jüngling, an, um sich den Genuß zu bereiten, die Tiger in ihrer Wuth und Verzweiflung zu beobachten. Die Treiber machten nun mit Trommeln und Pauken einen so entsetzlichen Lärmen in dem Walde, daß die Tiger in ihrer Wildheit und Tollheit auf allen Flanken aus dem Walde hinaus­stürzten. Ucberall aber knallte es ihnen entgegen, überall standen Jäger; nur ein freier Paß war ihnen gelassen, da wo die Elephanten standen und ihrer warteten. Einige Tiger wnrdeu erschossen; einige flüchteten sich auf Bäume, andere verkrochen sich in Locher; doch der größte und wüthendstc derselben wollte sich noch immer nicht aus dem Walde heraustreiben lassen. Da befahl der junge Fürst, das Gras des Waldes anzuzünden. Dieß geschah. In wenigen Augenblicken loderte das dürre Gras in hellen Flammen auf. Das half. Mit furchtbarem Gebrüll kam nun der Riesentiger dahergesprungcn in gewaltigen Sätzen über die Flammen hinweg. Seine Wuth war aufs Höchste gestiegen. Der Freund des jungen Fürsten stand hinter einem Baume am Rande des Waldes und erwartete das Unthier, um es mit seinem Schwerte abzufangen. Aber diese Tollkühnheit bekam ihm übel. Der Tiger wich dem furchtbaren Stoße des Schwertes geschickt aus, stürzte sich auf den Jüngling und riß ihn zu Boden. Als dieß jedoch Mira mit Schrecken sah, stürzte er herbei, während der Tiger den Jüngling eben unter seine Tatzen nahm, und durchbohrte ihn vom Rücken aus mit seinem Zahn so, daß der Tiger mit furchtbarem Gebrüll sich krümmte, während ein zweiter Jäger ihm mit seiner Lanze den Hals durchstach.

Aber dennoch mußte der verwegene Jüngling sein Leben lassen. Denn noch im Todeskampfc erdrückte ihn die wilde Bestie mit ihrer furchtbaren Tatze. Mira hatte sich zwar wieder bewährt, aber er trauerte nun viele Tage und wollte nichts fressen, denn er hatte seinen Herrn verloren, den er so lieb hatte. Der junge Fürst aber kaufte den Mira, auf dessen Rücken er damals saß, und führte mit ihm noch manche glücklichere Tigerjagd aus, als diese war.