etwas schwärzlicher Gesichtsfärbung und pechschwarzen Haaren, „ging ich eines Abends einen einsamen Weg spazieren, der in einen großen Wald führte, hinter welchem ein kleines Dorf lag, um meine Wörter, die ich auswendig gelernt hatte, zu repetiren. Der Weg nach dem Walde war meistens Hohlweg mit ziemlich hohen, von dichtem Gebüsche bedeckten Wänden. Das war gerade recht für
mich, denn damals wollte ich ganz ungestört sein, auch liebte ich überhaupt die einsamen Spaziergänge in einer recht stillen Natur. In
diesem schmalen Hohlwege schlenderte ich ganz in die Repctition meiner lateinischen Wörter versunken und mit auf den Boden gehefteten Blicken vorwärts. Als ich aber, kaum noch eine Viertelstunde von dem großen Walde entfernt, einmal ganz zufällig die Augen wieder
aufschlug, erblickte ich auf eine Entfernung von ungefähr 400 Schritten im Hohlwege ein Thier, das auf mich zukam und das ich,
erschrocken stehen bleibend, für ein wildes Schwein hielt. Gesehen hatte ich noch nie ein wildes Schwein; aber aus den Schilderungen meines Lehrers wußte ich, daß das wilde Schwein dem zahmen Schwein ganz ähnlich sieht, nur niit deni Unterschiede, daß das wilde Schwein eine längere Schnauze, einen etwas anders gebildeten Schädel, kürzere, aufrecht stehende Ohren, und größere Fangzähne hat und von schwarzgrauer Farbe ist, weßwegen es die Jäger Schwarzwild nennen. Zudem hatte mir mein Lehrer gesagt, daß die wilden Schweine, besonders die Keuler (die Männchen), sehr gefährliche Thiere seien, stark und muthig, und mit ihren Hauern, so
nennt man ihre untern, weit hervorstehenden Fangzähne, einen Menschen tödtlich verwunden können. Auch erinnerte ich mich noch, daß
er ausdrücklich gesagt hatte, die wilden Schweine und die wüthenden Hunde laufen immer gerade fort und gehen Niemanden aus dem Wege.
„Einige Augenblicke stand ich daher ganz starr vor Schrecken da; denn es war zu deutlich zu erkennen, daß das mir entgegenkommende Thier nichts anderes als ein Wildschwein sein konnte; ich erkannte sogar schon seine Hauer, obgleich das Thier nicht groß
und seine Zähne noch klein waren. Was sollte ich beginnen? Schnell fuhr mir der Gedanke durch den Kopf: „Wenn die wilden
Schiveinc immer gerade fort laufen, so ist das Beste, du flüchtest dich an der Wand des Hohlweges hinauf in das Gebüsch und versteckst dich daselbst, denn das Davonlaufen würde dich bei dem schnellen Laus des Thieres doch nichts helfen. Gedacht, gethan! Bleich vor Schrecken und mit vor Angst laut pochendem Herzen kletterte ich die mit Gestrüppe bewachsene Wand des Hohlweges, so steil sie auch war, mit der Schnelligkeit eines Eichhorns hinauf, wobei ich mir jedoch Nügel und Hände tüchtig zerkratzte. Oben angekommen kauerte ich in einer Hecke nieder, doch so, daß ich durch die Zweige und Blätter derselben in den Weg hinabsehen und das Thier beobachten konnte.
„Kaum hockte ich ein paar Sekunden da, als das Thier richtig im gleichen Laufe, übrigens ganz ruhig, daherkam. Ich überzeugte
mich nun, daß es wirklich ein Wildschwein war, und es war mir gar nicht wohl zu Muthe, als es unter mir vorüberging. Ich
hielt den Athem an mich vor Angst und werde diesen Augenblick meines Lebens nie vergessen.
„Doch das Thier ging ruhig vorüber und bekümmerte sich lediglich nichts um mich, nicht einmal einen Blick hatte es nach der Hecke,

