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in der ich saß, herausgeworfen. Wer war froher als ich! — Aber, wie es oft im Leben geht, daß ein Schrecken den andern jagt, so ging es auch mir. Ich hatte die Hecke noch nicht verlassen, denn ich wollte sicher sein, als ich auf einmal einen durchdringenden Pfiff hörte. Woher er kam, konnte ich nicht entdecken; aber das sah ich deutlich, auf diesen Pfiff hin kehrte das Wildschwein plötzlich um, und lief denselben Weg zurück, den es gekommen war, und blieb dann dicht unter meiner Hecke stehen. Denkt euch meinen Schrecken. „Jetzt hat es dich doch gewittert!" dachte ich, und wagte nicht mehr zu athmen, noch mich zu rühren. — Kurz darauf aber ging meine Todesangst in Erstaunen über; denn jetzt sah ich einen Jägcrburschen im Hohlwege daherkommen, der sein Gewehr auf dem Rücken trug, den das wilde Schwein offenbar erwartete, der auch sein Gewehr ruhig hängen ließ, zu dem wilden Schwein ein paar Worte sagte und ihm hinter den Ohren krabbelte. Ich riß die Augen weit auf und wußte nicht, was ich aus dieser Geschichte machen sollte. Endlich kam mir der Gedanke: „Ei, das ist wohl ein gezähmtes Wildschwein, das diesen Jäger begleitet, wie ein Hund, und auf seinen Pfiff geht!" Jedenfalls bist du jetzt sicher! Ich verließ also, um mich davon zu überzeugen, schnell die Hecke und machte ein Geräusch, daß mich der Jäger bemerken mußte. Er sah sich auch sogleich nach mir um. Ich grüßte ihn freundlich und fragte: „Ob ich ohne Gefahr zu ihni hinabkommen könne und ihn eine Strecke weit begleiten dürfe?" „Komm nur herab und fürchte dich nicht!" rief mir der Jäger zu. „Wahrscheinlich hat dich dieß wilde Schwein in Schrecken gesetzt. Aber es ist zahm und thut Niemanden was zu Leide, wenn ich bei ihm bin."
Schnell sprang ich nun in den Hohlweg hinab und schloß mich dem Jägerburschen an, während das Schwein voraustrollte.
„Aber erzählen Sie mir doch," bat ich ihn; „wie kommen Sie zu einem Wildschwein?"
Und nun erzählte mir der freundliche Jäger Folgendes:
„Ich bin der erste Jägerbursche des Oberförsters, der drüben im Jagdschloß wohnt. Vor einem Jahr ungefähr gelang es meinem Herrn, dort in dem Eselswalde, der hinter uns liegt, eine Bache, einen Keuler und vier Frischlinge, die erst vier Wochen alt waren, mit seinen starken Netzen, in ihrem Bruch, d. h. in ihrem kesselartig aufgewühlten und mit Reisern und Moos ausgepolsterten Lager, lebendig zu fangen, was eine große Seltenheit ist, obgleich sie fast den ganzen Tag in ihrem Lager liegen und erst des Abends ihrem Fraß auf Aeckern und Wiesen nachgehen. Die ganze Wildschweinfamilie wurde sogleich, ehe sie die Netze zerbeißen und zerreißen konnte, an den Füßen fest gebunden, mit Maulkörbcn versehen, auf Karren geladen und heim ins Jagdschloß rransportirt. Denn mein Herr hoffte, weil die Bache ihre Jungen außerordentlich liebt und Jahr und Tag mit sich herumführt, es werde ihm möglich werden, diese Thiere alle zu zähmen. Es ist beim Jagdschlösse ein großer Zwinger, aus dem kein Entrinnen möglich ist; in diesen Zwinger wollte er die ganze Wildschweinfamilie einsperren, gut füttern und allmählich zähmen. Das ging nun auch wirklich. Anfangs zwar gebärdete sich das Volk wie rasend, namentlich der Keuler. Aber bald wurden sie ruhiger. Ich hatte ihre Fütterung zu besorgen. Sie lernten mich bald kennen. In den ersten zwei Monaten ging ich nie zu ihnen hinein, sondern ließ

