42

mit ihrem Väterchen, daß sie alles von ihm erlangte, was sie haben wollte. Freilich mußte sie sich'ö gefallen lassen, daß eine ehrbare ältliche Dame inö HauS kam, ihr aller­hand Unterricht ertheilte, und für sie und das Hauswesen sorgte. Indessen die arme Dame Parfaite hatte einen schweren Stand, und es gehörte ihr äußerst ruhiges Tem­perament dazu, um nicht Gallenfieber und Schwindsucht, beides zusammen, zu bekommen; denn Blanche und Misi hatten schnelle Füße, folgten nie und spielten der Dame Parfaite immer neue böse Streiche. So wuchen Blanche und Misi heran. Fremde Leute meinten, nie ein so schö­nes Mädchen und eine so schöne Katze gesehen zu haben; in Steinwalde nannte man sie aber Gräfin Lügenbeutel, und ihr Kobold und Beide wurden gefürchtet und geflohen. Daß e6 mit der Katze nicht tüchtig sei, dai^i» zweifelte Nie- mand. Die junge Gräfin wußte immer alles, was gesagt und gethan wurde, und schon manchmal hatten es Leute deutlich durchs Schlüsselloch gesehen, wie Misi ordentlich wie ein Mensch auf dem Stuhle gesessen und sich mit ihrer Herrin unterhalten hätte.

Gräfin Blanche war zwanzig Jahr alt, als ihr Pater auf der Jagd vomPferde stürzte und todtkrank heimgetragen wurde. Voll Sorge eilte sie gleich zu ihm, nicht ohne, wie immer, von Misi begleitet zu sein. Mühsam reichte ihr der Graf die Hand und sprach:Mein theureö Kind, ich suhle, daß ich bald sterben werde, ach! und noch immer ist