ihn zum Tod, und Aesop ward von eincm hohen Felsen hinab gessürzt. So endigte der grosse Mann, der in feinen Fabeln der Welt so schène Vorschristen der Sit- tcnlehre gab, und den Menschcn ohne Wortgcprânge und im Stpl der Einfalt den Weg zur Tugend zeigte.
IV
dass Aesop noch lebe. Entzückt darüber liess er sich ihn un- verzüglich vorsiellen, und setzte ihn wicdcr in seine Wür- dcn und Acmter ein; daraus musste Aesop nach Aegyp- ken rcisen, um dort durch seinen Scharssinn die Fragen anfzulèsen, die der Kènig Neklcnaboan ihn thunwürde. Er lèsete fie allé giücklich, und bcschâmte zuglcich die Philosophen des Kvnigs. Bey seincr Rückkunst liess ihm Lykcrus eine goldcne Bildsaule zu Ehren aussetzcn.
Mit Erlaubniss des Kvnigs durchreisete nun Aesop ganz Griechcnland und gab überall Bewcise seiner grosse» Gclchrsamkeit. Nur die Einwohner von Delphi begegnctcn ihm mit Vcrachtung, und da er sic dasür durch einige Stachelredcn züchliglc, fasstcn siedeuschând- lichen Entschluss ihn vins Lebcn zu bringen. Sic nah- inen aus dcm Tcmpel des Apvllo eine goldcne Schaale und verbargen sic in das Gepàck, mit welchem Aesop eben nach Phokis abgereiset war. Darausschlcn sie ihm nach und klagtcn ihn als einen Kirchenràuber an. Der- gebens bctheucrte Aesop seine Unschuld, und da man die Schaale wirklich bey ihm fand, so hielt das Volk die Anklage fur gegründcr. Die Richter verurtheilten

