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Ein lautes Bravo lohnte die letzte Anstrengung der Seiltänzer- gesellschaft, eine höchst graciöse Gruppe, die mit den größten Männern und Frauen anfangend, pyramidenartig mit dem kleinsten Kinde schloß, alles vom starken Mann auf Händen und Füßen in die Höhe gehalten. Und als er hierauf mit seiner Frau an der Hand, noch ein Mal auf der Bühne erschien, für die geschenkte Aufmerksamkeit dankend, und sich der fernern Gunst des Publikums empfehlend, drängte Marie ihren Vater, die gefährliche Bude schnell zu verlassen, damit sie nur nicht wieder an den schrecklichen Leuten vorbei müßte. Unangefochten kam sie nach Hause; aber das Wiedersehen wirkte noch störend nach, und bereitete dem armen Kinde eine unruhige Nacht voll grausiger, ängstlicher Traume, so daß der Freiherr am folgenden Morgen ein niederschlagendes Pulver verordnete, um das aufgeregte, starker wallende Blut wieder zur Ruhe zu bringen. Zwei "Tage darauf schrieb Marie an Emilien einen langen Brief, worin sie ihre Angst schildert, als sie in Leyden das Ehepaar erkannt, dessen Hände sie nur durch ein halbes Wunder wieder entrissen worden. „So viel ist gewiß," schloß sie, „daß ich nie wieder Seiltänzer sehe, und wenn der Papa mit den Brudern auch jeden Tag in eine solche Bude ginge."
Der Haag oder Gravenshaage, Residenz des Königs der Niederlande, die nächste Stadt, ursprünglich ein Dorf, obwohl im löten Jahrhundert schon das größte und schönste, Dorf in Europa, hat erst in diesem Jahrhundert den Namen einer Stadt erhalten, trotz dem, daß sie weder von Thoren noch Mauern eingeschlossen ist. Uebrigens gewährt sie den gewöhnlichen Anblick einer holländischen Stadt; Canäle in derselben, ein Graben rings herum, schmale, einstöckige, verschlossene Häuser, hohe Fenster mit Winkelspiegcln und herabgelassene Gardinen. Gewöhnlich wohnt nur eine Familie, und zwar unten in einem solchen Hause, während die obern Räume für

