Bewohner Amerika s. Die Eskimv's. Die Karalits. 7

dann lassen. Die Knaben müssen, vvm zehnten Jahre an, mit dem Boot- fahren umgehen lernen, und vvm fünfzehnten oder sechszehnten an müssen sie schon Seehunde fangen. Der 20jährige Jüngling hat seine Fanggeräthe und sein Boot selbst zu machen, und wenn er 24 Jahre alt und Mann geworden ist, denkt er daran, eine eigene Wirthschaft zu errichten. Bis zu ihrem vierzehnten Jahre haben die Mägdchen nur leichte Hausarbeiten zn verrichten, als Kinder zu warten und Wasser zu holen, und können ihre freie Zeit mit Sprechen, Singen und Tanzen verbringen. Nach dem vier­zehnten Jahre aber werden sie zum Nähen, Kochen und Gärben, und, wenn sie erstarken, zum Rudern der Weiberschiffe und zum Helfen am Häuserbaue angehalten. Im sechszehnten Jahre sind die Mägdchen erwach­sen, und dann fängt das mühselige, traurige, sklavische Leben der Weiber an, das bis zum Tode dauert, und aus Mühe und Arbeit, Furcht und Elend besteht. Wenn alte Weiber keine Kinder haben, welche sich ihrer annehmen, und andern zur Last fallen, zwingt man sie, daß sie sich in's Meer stürzen, oder begräbt sie bei lebendigem Leibe. Dennoch gibt es mehr alte Frauen, als Männer, und es kömmt zuweilen vor, daß man deren von 70 bis 80 Jahren trifft. Stirbt eine Mutter, welche ein kleines säu­gendes Kind hat, das noch keine derben Speisen genießen kann, so wird es entweder mit der Mutter, oder kurz nach derselben lebendig begraben. Dasselbe geschieht auch alten kranken Wittwen, deren Verwandten es schwer­fällt, sie zu ernähren. Alte Männer, welche nicht mehr arbeiten können, und ohne Verwandte sind, von welchen sie ernährt werden, setzt man auf eine Insel aus, und läßt sie verhungern. Ist ein verheiratheter Mann ge­storben, so nehmen die, welche zum Trösten kommen, nach und nach alle seine Habe mit, wenn die Hinterlassenen nicht Stärke genug haben, dies zu verhindern, und so geräth eine Wittwe, deren Söhne noch nicht erwach­sen sind, in Gefahr, mit ihren kleinen Kindern zu verhungern.

Bon den Eskimv's, welche Grönland bewohnen, ist ungefähr der dritte Theil zum Kristenthume bekehrt, durch den Umgang mit den Europäern aber nicht besser geworden. Dafür haben aber alle getauften Grönländer lesen und schreiben gelernt. Die alte Gastfreiheit, welche sie ohne Aus­nahme dem Fremden angedeihen lassen, die auch Kapitän Roß, auf seiner Reise, bei den westlich wohnenden fand, haben sie bewahrt, und Niemand betritt ihre Hütten, mit dem sie nicht bereitwillig theilen, was sie haben. Ist ihre Nahrung aufgezehrt, so hungern sie in Geduld, bis sie wieder neue bekommen, oder essen Felle und altes Leder. Wenn sie ihre Kinder hungern sehe», sind sie betrübt.