Bewohner Amerika's. Bewohner der Insel Stuart. 29
Die Frauen sind vollkommene Sklavinnen der Männer, haben die schwersten Arbeiten zn verrichten, die Wohnungen zu bauen, die Baidaren zu rudern, während des Umherziehens die Lasten zu schleppen, die Speisen für den Winter zu bereiten, und überhaupt alle häuslichen Geschäfte zu besorgen.
Der Tanz der Tschuktschen.
Bei einem Tanze dieses Volkes stellen sich die Männer zu Anfang in einen Kreis. Darauf fängt einer an zu trommeln, und in lang gehaltenen Tönen kläglich zu singen. Ein anderer tritt mit etwas nach Vorne geneigtem Körper in die Mitte, stampft, bei jeder Bewegung des Körpers, mit dem Fuße auf die Erde, sieht sich nach allen Seiten um, als ob er jemand fürchte; darauf spannt er verstohlen seinen Bogen, und schießt einen Pfeil ab. Dieses wird vier- und mehre Male in gleicher Ordnung wiederholt, und es werden stets einige Worte mit erschrockener Stimme dazu gesprochen. Darauf tanzen Männer und Weiber und die erwachsenen Kinder zugleich, so lange, bis sie müde geworden sind. Dieser Tanz ist so einförmig, daß er den Zusehenden kein Vergnügen macht. Die Weiber schicke» sich noch weniger dazu, als die Männer. Beiden Geschlechtern gefallen aber doch die Tänze anderer Völker, weil sie mannigfaltiger und lebhafter sind.
Die Stimme der Bewohner des nordwestlichsten Amerika's klingt in ihren Ländern roh und unangenehm für das Ohr, bietet wenig Abwechslung, und ist oft klagend. Ihre Dichtungen bestehen in Kriegsliedern, Lobliedern und Spottliedern, von welchen die letzteren besonders beliebt sind. Die Dichter, welche in bedeutender Achtung stehen, heißen Kaschalen. Wie es auch bei den Aleuten und den Jakuten der Fall ist, singen die Leute vor langer Weile kurze Lieder ganze Stunden lang. Ein solches Lied ist z. B.: „Ich zermalme Taback, und du nicht."
Das weibliche Geschlecht heirathet hier sehr früh, gewöhnlich vor dem zehnten Jahre, und wenn ein zehnjähriges Mägdchen noch keinen Mann hat, so wird sie ausgelacht, und von Allen verachtet. Daher findet man es öfter, daß bei jungen Eheleuten der Mann noch einmal so alt ist, als die Frau. Die Tschuktschen haben lieber Töchter, als Söhne, weil diese ihre Ältern nach der Hochzeit verlassen können, der Schwiegersohn aber verpflichtet ist, stets für seinen Schwiegervater zu sorgen.
Auf den Tauschhandel verstehen sich diese Leute meisterhaft, handeln wie Geizhälse, berathen sich untereinander, und wenn sie meinen, daß es ihnen gelungen sei, Jemanden zu betrügen, so freuen sie sich außerordentlich.

